16.01.2004

ZWEI WOCHEN

Countdown für irakische Handynetze

In zwei Wochen wird das zentralirakische Handynetz des Anbieters Iraqna seinen Betrieb aufnehmen und das Kundeninteresse ist groß

"Die Leute können kaum glauben, dass sie bald Handys besitzen und benutzen werden", sagt Muschtak el Maliki, der in Bagdad einen Handyshop betreibt, in dem sich die Kunden drängen.

Er arbeitet für den Anbieter Iraqna, der das Netz für den Zentralirak von Bagdad aus betreiben wird und zum ägyptischen Konzern Orascom Telecom gehört.

Ein Handy-Abo kostet 69 Dollar, Prepaid-Karten gibt es für zehn bis 30 Dollar. 400.000 Abonnenten in den kommenden zwei Monaten erwarten die drei Mobilfunk-Anbieter. Die Lizenzen waren bereits im vergangenen Jahr vergeben und die Verträge am 22. Dezember unterzeichnet worden.

Festnetz in Trümmern

Noch immer sind Telefonate im Irak und ins Ausland schwierig und teuer. Das einzige existierende Mobilfunknetz ist für Militärs und die Staatsführung reserviert. Das Festnetz wurde von den USA und Großbritannien während des Krieges bewusst zerstört, weil es auch von den irakischen Militärs benutzt worden war. Sabotage-Anschläge taten ein Übriges.

Leitungen und Anlagen liegen weitgehend in Trümmern und Ersatzteile sind rar. Aber auch vor dem Krieg war das Telefonnetz mit vier Anschlüssen pro 100.000 Einwohner eines der dünnsten in der Region.

Ein Handynetz gab es zu Saddam Husseins Zeiten ebenfalls nicht. Nur die Kurden im Norden - geschützt vor dem Einfluss Husseins - benutzen schon länger Handys.

Von Sat zu GSM

Die übrigen Iraker waren nach dem Sturz des Machthabers auf Satellitentelefone angewiesen, die immerhin 60.000 Leitungen boten. Doch die unhandlichen Geräte funktionieren nur im Freien. Und mit Anmeldegebühren von 600 Dollar [475 Euro] und Gesprächskosten von einem Dollar pro Minute sind Satellitentelefone in einem Land mit einem Durchschnittsgehalt von 150 Dollar im Monat keine Alternative.

"Wir sind sehr froh, dass endlich auch bei uns das Mobilfunkzeitalter beginnt", freut sich Malikis Kollege Mohammed Sahib. "Schließlich ist das Recht zu kommunizieren ein Menschenrecht."