30.12.2003

DEBATTE

Kulturstreit um Microsofts PowerPoint

Egal ob Pressekonferenzen, Mitarbeiterbriefing oder Fun-Mails - eines darf dabei schon lange nicht mehr fehlen: die obligatorische PowerPoint-Präsentation.

Der ehemalige Talking-Heads-Sänger David Byrne hat in den USA nun eine Debatte über den Wert oder Unwert von Microsofts praktisch allgegenwärtiger Präsentationssoftware ausgelöst.

Denn während es bei kritischen Geistern fast zum guten Ton gehört, PowerPoint nicht zu mögen, entdeckte Byrne PowerPoint als künstlerische Ausdrucksform.

Er demonstrierte, wie die PowerPoint-Slides mit ihren Pfeilen und Hervorhebungen die Kommunikation verändern.

"PowerPoint korrumpiert"

Obwohl der 51-Jährige versichert, dass seine Sammlung keineswegs einen "ernsthaften Beitrag über irgendetwas" darstellen soll, stieß der Sänger damit in ein Wespennest.

Denn schon lange bekennen viele Computernutzer ihre PowerPoint-Abneigung ganz offen. So hat ICANN-Vorsitzender Vint Cerf die Lacher auf seiner Seite, wenn er bei Vorträgen spottet: "Macht [Power] korrumpiert und PowerPoint korrumpiert absolut."

Bei einem Verzicht auf die Slides sei das Vortragspublikum gezwungen, dem Referenten aufmerksam zuzuhören, anstatt sich von bunten Bildern ablenken zu lassen.

"Sehr laut, langsam und schlicht"

Einer der heftigsten PowerPoint-Hasser ist Edward Tufte, Professor an der Universität Yale. Er ist der Meinung, dass bei PowerPoint die Form zu Lasten des Inhalts geht.

"PowerPoint ist böse", lautete denn auch der Titel eines Editorials, den Tufte im September im Magazin "Wired" veröffentlichte.

Darin verglich er PowerPoint-Präsentationen mit Aufführungen von Schultheatergruppen: "Sehr laut, sehr langsam und sehr schlicht."

Verblödung oder Ordnung?

Auch Google-Manager Peter Norvig, Autor einer der ersten PowerPoint-Parodien, will Byrne in dessen Begeisterung nicht folgen.

Die Frage laute letztlich, "ob uns PowerPoint dumm macht oder ob es uns hilft, unsere Gedanken zu ordnen".

Zwar entscheide immer der Mensch und nicht eine Software über die Qualität einer öffentlichen Veranstaltung. "Aber wenn man PowerPoint verwendet, ist das so, als ob man ein geladenes AK-47-Gewehr auf dem Tisch liegen hat: Man kann sehr böse Dinge damit anrichten."