26.11.2003

ANALYSE

Bombardements mit Schmutzbotschaften

Was noch vor einem Jahr recht utopisch angemutet hatte, ist nunmehr offiziell.

Vier Tage nach dem US-Repräsentantenhaus billigte der Senat am Dienstag einstimmig die neuen Bestimmungen gegen Spam. Weil damit zu rechnen ist, dass US-Präsident George W. Bush momentan anderes zu tun hat, als ein Anti-Spam-Gesetz mit einem Veto zu belegen, steht dem In-Kraft-Treten nichts mehr im Wege.

Rechnungen und Lernprozesse

Es zog so lange, bis die Kongressmitglieder höchstselbst und sehr direkt täglich erfuhren, was und welcher Art unerwünschte Massensendungen sind.

Dass sich die schmuddelige Kleinanzeigen-Welt aus Groschenheften selbstständig gemacht hatte und die reale Welt - inklusive der US-Senatoren und -Abgeordneten - in immer kürzeren Abständen immer heftiger mit ihren Schmutzbotschaften bombardierte.

Als die Rechnungen begannen, wie viel an Produktivität durch Spam-Beseitigung pro Jahr verloren ging - 2002 sollen es um die neun Milliarden USD gewesen sein -, kamen die Direkt-Marketer argumentativ ins Hintertreffen.

Auch hier hatte es einen Lernprozess gegegeben, nämlich dass der "Rückkanal" zwar tatsächlich funktionierte, allerdings nicht so, wie von den Direkt-Marketern erhofft. Retour kamen auf ihre Angebote vor allem Wutanfälle, Tiraden, Flames. So manch beherzter Hack mit Hinterlegung eindeutiger Botschaften mag ein Übriges getan haben, den kollektiven Lernprozess der Branche in Sachen Spam noch zu beschleunigen.

Bei uns daheim im Netz

Angesichts dessen, dass die USA etwa für 50 Prozent des weltweiten Spam-Aufkommens verantwortlich zeichen, hat jede Einschränkung der Spammerei Sinn für den Rest der Online-Welt.

So auch bei uns. Im Bereich der AT-Domän wurde freilich im August dieses Jahres ein wirkungsvolles Anti-Spam-Gesetz aus dem Jahr 1999 aufgeweicht.