Bombardements mit Schmutzbotschaften
Was noch vor einem Jahr recht utopisch angemutet hatte, ist nunmehr offiziell.
Vier Tage nach dem US-Repräsentantenhaus billigte der Senat am Dienstag einstimmig die neuen Bestimmungen gegen Spam. Weil damit zu rechnen ist, dass US-Präsident George W. Bush momentan anderes zu tun hat, als ein Anti-Spam-Gesetz mit einem Veto zu belegen, steht dem In-Kraft-Treten nichts mehr im Wege.
Als unerwünschte Massensendungen via Mail Mitte der 90er Jahre erstmals breitere Diskussionen ausgelöst hatten, traten die Lobbys der Direkt-Marketer auf den Plan. Den Versand von Massenmails ohne Zustimmung der jeweiligen Empfänger zu verbieten, gefährde Direkt-Marketing, den freien Wettbewerb an sich und überhaupt. Am besten sei es, wenn der Staat die regulativen Finger von einem Wachstumsmarkt lasse. Der werde sich schon selber regulieren.
Das war der Tenor: Auch noch anno 2000Vor allem Letzteres zog, für Jahre stand eine Regelung zu Spam im US-Kongress nicht mehr auf der Tagesordnung.
Das Gesetz gegen Spam in Österreich anno 1999Rechnungen und Lernprozesse
Es zog so lange, bis die Kongressmitglieder höchstselbst und sehr direkt täglich erfuhren, was und welcher Art unerwünschte Massensendungen sind.
Dass sich die schmuddelige Kleinanzeigen-Welt aus Groschenheften selbstständig gemacht hatte und die reale Welt - inklusive der US-Senatoren und -Abgeordneten - in immer kürzeren Abständen immer heftiger mit ihren Schmutzbotschaften bombardierte.
Als die Rechnungen begannen, wie viel an Produktivität durch Spam-Beseitigung pro Jahr verloren ging - 2002 sollen es um die neun Milliarden USD gewesen sein -, kamen die Direkt-Marketer argumentativ ins Hintertreffen.
Auch hier hatte es einen Lernprozess gegegeben, nämlich dass der "Rückkanal" zwar tatsächlich funktionierte, allerdings nicht so, wie von den Direkt-Marketern erhofft. Retour kamen auf ihre Angebote vor allem Wutanfälle, Tiraden, Flames. So manch beherzter Hack mit Hinterlegung eindeutiger Botschaften mag ein Übriges getan haben, den kollektiven Lernprozess der Branche in Sachen Spam noch zu beschleunigen.
Der Widerstand der Marketing-Lobbys war letztlich jedenfalls so gering, dass es so gut wie keine Gegenstimmen im Kongress gab.
Die Entscheidung im RepräsentantenhausBei uns daheim im Netz
Angesichts dessen, dass die USA etwa für 50 Prozent des weltweiten Spam-Aufkommens verantwortlich zeichen, hat jede Einschränkung der Spammerei Sinn für den Rest der Online-Welt.
So auch bei uns. Im Bereich der AT-Domän wurde freilich im August dieses Jahres ein wirkungsvolles Anti-Spam-Gesetz aus dem Jahr 1999 aufgeweicht.
"... ein bisserl liberaler"
Es sei jetzt an der Zeit, die Sache ein bisserl liberaler zu
handhaben, hatte der verantwortliche Verkehrsminister sinngemäß
gesagt.
Die Spam-Aufweichung - anno 2003
