Sicherheit trotz Software-Monokulturen
In den USA sollen die Auswirkungen von Software-Monokulturen jetzt noch einmal eingehend und mit offiziellem Auftrag untersucht werden:
Die National Science Foundation hat zwei Universitäten insgesamt 750.000 USD Forschungsgelder bewilligt. Damit sollen zum einen die Mechanismen von Software-Monokulturen im Fall von Angriffen erforscht werden, zum anderen wollen die Wissenschaftler für die auftretenden Probleme neue Lösungsansätze entwickeln.
In der Analyse arbeiten die Forscher auch mit biologischen Modellen, wobei vor allem die Verbreitung von Krankheiten in genetisch eng verwandten Populationen erhellend wirken soll.
Interessant wird das Projekt aber vor allem durch den Anspruch, Lösungswege aufzuzeigen, bei denen die Kostenvorteile von zentralen Entwicklungen erhalten bleiben.
Die Carnegie Mellon University und die University of New Mexico hatten das Projekt schon vor einem Jahr beantragt.
National Science FoundationEs geht um Microsoft
Die Bewilligung der Forschungsgelder reflektiert auch die Diskussionen über einen Bericht des Branchenverbandes Computer & Communications Industry Association [CCIA], der Microsofts Monopolstellung bei Betriebssystemen als ernst zu nehmendes Sicherheitsrisiko darstellt.
Laut dem Bericht, der vor rund zwei Monaten publiziert wurde, könnten Computerviren, E-Mail-Würmer und andere Angriffe auf Rechnersysteme nicht gestoppt werden, solange Microsoft-Software die Computerlandschaft dominiert.
"Die Natur toleriert keine Monokulturen", sie seien zu anfällig, so Daniel E. Geer, einer der Autoren der Studie. "Wenn alles gleich aussieht, wird es umgehend bestraft."
Der CCIA gehören die größten MS-Konkurrenten wie AOL Time Warner, Sun, Nokia, Fujitsu und Oracle an.
"Die Natur toleriert keine Monokulturen"Künstliche Vielfalt
Während allerdings die MS-Konkurrenz und auch eine Reihe europäischer Regierungen die Probleme mit Software-Monokulturen schlicht durch eine forcierte Diversifizierung vor allem auf dem Betriebssystem-Sektor lösen wollen, verfolgen die Universitäten mit ihrem aktuellen Projekt im Auftrag der National Science Foundation einen anderen Ansatz:
Demnach suchen die Forscher nach einer Methodik, die Software "in Schlüsselaspekten" künstlich und im Nachhinein diversifiziert. "Unser automatisierter Ansatz hat das Potenzial ökonomischer [als "echte" OS-Vielfalt] zu sein und gleichzeitig die Diversität zu erhöhen," kommentiert Stephanie Forrest von der University of New Mexico.
Microsoft dürfte der Ansatz gefallen, da hier die wirtschaftliche Monopolstellung des Konzerns in verschiedenen Software-Bereichen nicht in Frage gestellt wird.
MS sieht sich derzeit sogar mit einem Prozess konfrontiert, in dem die Kläger argumentieren, dass schon die Existenz von Software-Monopolen ein fahrlässiges Sicherheitsrisiko darstellt.
Microsoft soll für Virusschäden haftenWirtschaftlicher Ansatz
In Europa hat zuletzt die dänische Regierung für Diskussionsstoff gesorgt, nachdem ein Bericht zu den Potenzialen von Open-Source-Software im öffentlichen Sektor den europäischen Regierungen empfahl, eine aktive Rolle bei der weiteren Etablierung freier Software zu spielen, um den Software-Markt vor Monopolen zu bewahren.
Dabei werden neben den Sicherheitsaspekten auch wirtschaftliche Gründe für eine Vielfalt am Software-Sektor angeführt.
Open-Source-Einsatz als Anti-Monopolpolitik
