Diskussionen nach "Big Brother Awards"
Genau vor einer Woche wurden in Wien zum fünften Mal die Datenschutz-Negativpreise "Big Brother Awards" in Österreich vergeben.
Dabei können die Veranstalter mindestens einen Erfolg verbuchen: Die Preisträger reagieren zunehmend auf die "Auszeichnungen" und setzen so neue Diskussionen zum Thema Datenschutz in Gang.
Dass die Preisträger sich wenig "reuig" zeigen, sondern Argumente für ihre Position bringen und auch die Jury der "Big Brother Awards" angreifen, dürfte dabei niemanden verwundern.
Ausgezeichnet wurden die Salzburger Geschäftsleute am Rudolfskai, weil sie "die Ersten waren, die Vollüberwachung durch Videokameras" forderten, die EU-Kommission und Janelly Fourtou "für die so genannte IP-Enforcement Directive", das Europäische Patentamt in München, das "gegen geltende nationale EU-Legislaturen Tausende Ideen- und Trivialpatente auf die neuen Informationstechnologien zugelassen hat", und die Post AG für ihre Datensammelpraxis bei Nachsendeaufträgen. Mit dem Preis für das "Lebenswerk" wurde Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer [ÖVP] schon zum zweiten Mal ausgezeichnet, in der Kategorie "People's Choice", der nicht von der Jury, sondern durch Einsendungen bestimmt wird, bekam Herold Business Data einen "Big Brother Award".
"Big Brother Awards 2003" verliehenNichts zu verbergen
"Dass wir jetzt den Preis bekommen haben, wundert mich, weil wenn keine Kameras da sind, wofür bekommen wir dann den Preis? Nur für's nachdenken?", fragt Helmuth Nemeth, Sprecher der Wirte am Rudolfskai in Salzburg, deren Forderung nach Vollüberwachung durch Videokameras letzten Sonntag im Wiener Flex mit "Schweineohren" bedacht wurde.
"Ich bin der Meinung, wer nichts zu verbergen hat, der lässt sich auch ohne weiteres überwachen. Wir stehen dazu am Rudolfskai. Von einem Datenschutzbruch kann man bei weitem nicht reden.
Bei jedem Gewinnspiel muss man die Daten offen legen, bei jeder Bankomatkarte und auch bevor man ins Flugzeug steigt, müssen Sie Ihre Daten abgeben. Also was soll das?"
Big Brother Awards 2003Peoples Choice Award
"Bei dieser Gruppe von Wählern handelt es sich um 200 Personen. Das hört sich also dramatischer an als es ist. Wobei wir natürlich wirklich jeden ernst nehmen", so Margit Kalutzer.
Sie ist Unternehmenssprecherin der Herold Data GmbH, die für ihre Daten-CD am häufigsten nominiert wurde und daher den "Peoples Choice Award" erhielt.
Margit Kalutzer im matrix-Interview: "Es muss sich wirklich niemand fürchten, dass mit der Herold Marketing CD das Privatleben ausspioniert wird, es handelt sich um ein reines Marketing Instrument."
Das Ö1-Magazin matrix
In einem weiteren Beitrag erörtert die Salzburger
Kommunikationswissenschafterin Ursula Maier-Rabler, was es mit der
elektronischen Demokratie theoretisch und praktisch auf sich hat.
matrix - computer & neue medien
