28.09.2003

LONDON

Anonym U-Bahn fahren wird teuer

Nachdem Großbritannien bereits die höchste Überwachungskamera-Dichte Europas aufweist, sollen jetzt die Bewegungen einzelner Verkehrsteilnehmer in noch nicht da gewesenem Ausmaßen erfasst werden:

Neben diversen Plänen zur automatischen Erkennung von PKWs in Echtzeit sollen nun auch alle Fahrten regelmäßiger Nutzer der öffentlichen Verkehrsmittel in London detailliert erfasst und gespeichert werden.

Zukünftig wird es nämlich Monats- oder Jahrestickets der Transport for London in Form einer Chipkarte geben, deren Besitzer sich registrieren lassen müssen.

Polizei-Zugriff "wahrscheinlich"

Die bereits im Probebetrieb eingeführten Chipkarten enthalten eine individuelle Nummer, die in Bussen und U-Bahnstationen per Funk kontaktlos ausgelesen werden.

Die "Oyster"-Karten werden dementsprechend vor allem als bequeme Zahlungsform angepriesen, da sie einfach in der Brieftasche mitgeführt werden können und beim Einstiegen nicht zum Entwerten oder zur Kontrolle hervorgeholt werden müssen.

Die entstehenden detaillierten Fahrtenprofile sollen von Transport for London für mindestens acht Wochen einfach durchsuchbar lokal gespeichert werden, aber auch nach der Auswertung in komprimierter Form noch für "mehrere Jahre" - dann wird der Zugriff allerdings erschwert sein.

Transport for London will mit den Daten vor allem seine Fahrpläne optimieren, schließt aber auch explizit nicht aus, dass sie im Zweifelsfall den Ermittlungsbehörden ausgehändigt werden, wie dies bei Handy-Verbindungsdaten bereits der Fall ist.

Autoverkehr im Visier

Die Polizei in Großbritannien testet derzeit auch die landesweite Verknüpfung von Überwachungskameras mit Fahndungs-, Zulassungs- und Versicherungscomputern.

Zusammen mit der automatischen Erkennung von Nummerschildern in den Überwachungsbildern sollen so gestohlene, unversicherte oder nicht angemeldete Fahrzeuge identifiziert werden.

Die "Automatic Number Plate Recognition" [ANPR] hat das Ziel, "Kriminellen die Nutzung der Straßen zu verwehren", wie es in einer Polizei-Aussendung ausgedrückt wurde.