Online-Broker werden "normale" Banken
Die deutschen Online-Broker wollen sich nach schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit von den schwankungsanfälligen und kaum kalkulierbaren Aktienmärkten unabhängiger machen.
Um dieses Ziel zu erreichen, erweitern die führenden Anbieter Comdirect und DAB Bank derzeit ihre Produktpalette und nähern sich damit immer stärker dem Profil von gewöhnlichen Geschäftsbanken an.
Analysten räumen den Online-Brokern indes nur geringe Chancen ein, den etablierten Großbanken und Finanzdienstleistern Marktanteile abzujagen. "Den Paradigmenwechsel, der unter anderem durch den Aufbau von Beratungstätigkeiten zu erkennen ist, betrachten wir kritisch", sagt der Banken-Experte Metehan Sen von Sal. Oppenheim.
"Dadurch tummeln sich die Online-Broker in einem Markt, der bereits sehr wettbewerbsintensiv ist." Das passe nicht zur originären Geschäftsidee. Beim Aufbau des Beratungsservices gehen Comdirect und DAB unterschiedliche Wege. Während Comdirect den Aufbau eines Beraterteams aus eigener Kraft anstrebt, will die zur Münchner HVB [HypoVereinsbank] gehörende DAB Bank mit dem Finanzberater Plansecur kooperieren.
Österreich: Online-Broker sind desillusioniertBilanzen aufgeräumt
Die Kosten haben Comdirect und DAB Bank in den vergangenen Quartalen stark reduziert: "Sie haben ihre internationalen Aktivitäten auf jeweils ein Auslandsengagement heruntergefahren, ihre Bilanzen aufgeräumt und die Marketingausgaben dramatisch gekürzt", erklärt HSBC-Experte Peter Barkow.
"Obwohl wir glauben, dass der Verkauf anderer Bank-Dienstleistungen ein logischer Schritt ist, kommen Comdirect und DAB Bank beide spät in den Markt." Signifikante Ergebniszuwächse seien daher nicht zu erwarten.
Optimistischer äußerte sich indes Metzler-Analyst Guido Hoymann, allerdings wegen der sich stabilisierenden Märkte. "Ein Anstieg der durchschnittlichen Transaktionszahl pro Jahr und Kunde um nur eine Einheit würde zu einem Anstieg der Erträge um acht Mio. Euro bei der Comdirect führen und um sechs Mio. Euro bei der DAB Bank", heißt es in einer Studie. Auch die langfristig stärkere Nutzung des Internets spreche für die Branche.
