Antiterrorgesetze bedrohen US-Forschung
"Die Bemühungen der US-Regierung, Forschung und Technologie vor dem Zugriff von Terroristen zu bewahren, erinnern an die Zeit des Kalten Krieges", heißt es in der Juli/August-Ausgabe der Zeitschrift "Technology Review" des Massachusetts Institute of Technology [MIT].
Fast 60.000 Wissenschaftler und Ingenieure hätten unter den Maßnahmen gelitten, die der damalige US-Präsident Harry Truman 1947 aus Sorge um eine kommunistische Infiltration des Landes an US-Universitäten einleitete. Damals war die politische Gesinnung von Forschern suspekt, heute sei es ihre Nationalität, schreibt das Blatt.
Dabei verhelfen ausländische Wissenschaftler und Studenten den USA maßgeblich zu ihrem Ruf als weltweiter Schrittmacher der Forschung.
Am MIT bei Boston sind 39 Prozent aller graduierten Studenten aus dem Ausland. Landesweit wird fast ein Drittel aller Doktortitel und ein Viertel aller Diplome in Natur- und Ingenieurwissenschaften an Menschen ohne US-Staatsbürgerschaft vergeben. Mehr als ein Drittel aller amerikanischen Nobelpreisträger sind in einem anderen Land zur Welt gekommen.
US-Bürger schätzen Überwachung nichtKlima "schwer beeinträchtigt"
Der Direktor des weltweit größten Wissenschaftsverbandes AAAS [American Association for the Advancement of Science], Albert Teich, sagt, dass das Klima für die Wissenschaft von den Anti-Terror-Gesetzen infolge des 11. Septembers "schwer beeinträchtigt" ist.
Langfristig droht den USA nach Meinung von Experten ein "Brain-Drain", die Abwanderung ihrer internationalen Forschungselite in andere, weniger restriktive Länder wie Kanada, Großbritannien und Australien.
Damit stehe letztlich auch ihre Führungsrolle auf dem Spiel, warnte der Präsident der US-Akademie der Wissenschaften, Bruce Alberts, schon Ende letzten Jahres in einem offenen Schreiben: "Es muss sofort etwas geschehen." Seitdem beschwerten sich auch 32 Kongressabgeordnete schriftlich bei US-Außenminister Colin Powell über die "Kontrollen, die unnötig ... behindern".
