Mega-Datenbank für Deutschlands Polizei
Der deutsche Innenminister Otto Schily hat am Donnerstag im Wiesbadener Bundeskriminialamt [BKA] das neue Polizei-Fahndungssystem "Inpol-neu" der Öffentlichkeit vorgestellt.
Nach Angaben des Innenministeriums verbindet das System Datenbanken von BKA, Bundesgrenzschutz, Zoll und Landespolizeien miteinander.
270.000 Polizisten haben damit auf Inpol-neu Zugriff und können digitalisierte Fahndungsfotos abrufen und verschiedene Datensätze miteinander verknüpfen.
Erstes Inpol aus dem Jahre 1972
Mit Inpol-neu sei die "informationstechnische Basis der
Polizeiarbeit modernisiert" worden, erklärte Schily. Die Deutsche
Polizeigewerkschaft kritisierte demgegenüber, dass das System nach
veralteten Standards funktioniere und Datenbanken von Bund und
Ländern nicht zusammenpassten. Die erste Version von Inpol wurde
bereits 1972 entwickelt.
Mehr zu Inpol"Sukzessive Erweiterung" gewünscht
Schily verwies darauf, dass Inpol-neu kein abgeschlossenes System sei. Die jetzt in Betrieb genommene Ausbaustufe sei nur der erste Schritt.
Die Architektur des Systems sei auf "sukzessive Erweiterung der Nutzungsmöglichkeiten ausgelegt".
Über Inpol-neu sind auch externe Datenbestände abrufbar, etwa die Flensburger Dateien des Kraftfahrt-Bundesamtes und das Informationssystem der Schengener Mitgliedsstaaten.
Das seit 1993 entwickelte und nach Schätzungen weit über 60 Millionen Euro teuere Inpol-neu sollte bereits Anfang vergangenen Jahres in Betrieb gehen, funktionierte wegen seiner extremen Komplexität und gravierender Programmfehler allerdings nicht.
Daraufhin wurde eine abgespeckte Version von Inpol-neu entwickelt, die seit Mitte August problemlos läuft.
Start des ProbebetriebsGewerkschaft steht auf Datamining
Nach Ansicht des Gewerkschafts-Vorsitzenden Wolfgang Speck leidet das neue Fahndungssytem noch immer darunter, dass die verschiedenen technischen Standards des Bundes und der 16 Länder nicht alle zusammenpassen.
"Was nutzen die vielen gesammelten Daten, wenn sie in der Abfrage nicht miteinander verbunden werden können", erklärte Speck in Berlin.
Er forderte deshalb, Inpol-neu zu einem bundesweiten Polizei-Intranet mit Web- und Suchmaschinendiensten weiterzuentwickeln. Einzelne Länder wie Bayern seien bereits auf diesem richtigen Weg, stießen mit den technisch überholten Bundesgegebenheiten aber an ihre Grenzen.
