Fujitsu Siemens will nach Osteuropa
Für Fujitsu-Siemens-Chef Bernd Bischoff ist China mittlerweile als Produktionsstandort für Desktops zu teuer.
Der größte europäische Computerhersteller Fujitsu Siemens könnte in Deutschland auf Dauer lediglich hochpreisige Geräte fertigen lassen. "Längerfristig können wir uns vorstellen, die Produktion von Desktop-Computern in Osteuropa zusammen mit einem Partner anzusiedeln", sagte der Chef des Gemeinschaftsunternehmens von Siemens und Fujitsu, Bernd Bischoff, auf der Computermesse CeBIT in Hannover. "Das machen bereits die anderen PC-Hersteller."
Entwicklung soll in Deutschland bleiben
"Mit der Zeit werden wir mehr höherwertige Produkte wie Server in Deutschland produzieren, dafür brauchen wir qualifizierte Mitarbeiter", sagte Bischoff. "Die Software-Entwicklung bleibt in Deutschland, auch längerfristig", betonte er.
In Deutschland beschäftige Fujitsu Siemens Computers [FSC] etwa 1.000 Software-Spezialisten. "Diese entwickeln fast unsere komplette Software." Hinzu kämen etwa 90 Software-Entwickler im amerikanischen Silicon Valley, die auf Automatisierungslösungen spezialisiert seien.
China "zu teuer"
China zieht der Computerhersteller als Produktionsstandort für Desktops nicht in Erwägung. "In China gefertigte Desktops wären wegen der Transportkosten zu teuer - der Vorteil der dortigen niedrigen Lohnkosten wäre aufgefressen", sagte Bischoff. "Osteuropa ist da ein interessanterer Fertigungsort."
In China lässt Fujitsu Siemens bereits Notebooks produzieren. "120 Leute bauen in einer Fertigungslinie 200 Laptops in einer Stunde zusammen, davon ist jeder zehnte Mitarbeiter ein Qualitätskontrolleur", sagte der Manager. "Das ist in Deutschland nicht mehr zu bezahlen."
Weltweit würden derzeit 99 Prozent der Laptops in China hergestellt, ein Großteil davon in etwa zehn Fabriken in und um die Stadt Shenzhen. Die tragbaren Computer sind weltweit auf dem Vormarsch, immer mehr Verbraucher entscheiden sich für sie.
Billigstandort Deutschland
Auf seinem Heimatmarkt Deutschland hat Fujitsu Siemens Werke in Augsburg und im thüringischen Sömmerda. Der Computerhersteller hatte dort flexible Arbeitszeiten und Produktivitätssteigerungen durchgesetzt. Damit war es FSC in den vergangenen Jahren gelungen, Kostennachteile gegenüber Konkurrenten wie Hewlett-Packard, Dell und Lenovo auszugleichen.
"Wir haben gute Leute in Deutschland", sagte Bischoff. "Hier könnte uns eher der Fachkräftemangel zum Problem werden." Im vergangenen Jahr hätten 14.000 Absolventen im Bereich Informatik die Hochschulen verlassen. In China seien es dagegen 700.000 gewesen.
Die österreichische FSC baut derzeit ein Kompetenzzentrum für große Rechenanlagen auf, das speziell den osteuropäischen Markt bedienen soll.
(dpa)
