Wachstumsmarkt Meldedatenhandel
Auch wenn die bestehenden Abfrage-Optionen offenbar zu großzügig sind, um gesetzeskonform zu sein, und deshalb "technisch adaptiert" werden müssen: das Geschäftsmodell "ZMR Online" funktioniert.
Laut Auskunft Innenministerium betrug der Umsatz durch Abfragen 1,2 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2003. Das entspricht, auf das Gesamtjahr hochgerechnet, einem Wachstum von etwa 240 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2002 [Umsatz etwa eine Mio Euro].
Die Zahl der "Business Partner" des Innenministeriums ist mittlerweile auf 750 angewachsen, mit 1000 Euro und einer Anmeldung ist man dabei. Die "Endverbraucher" - Anwälte und Firmen wiederum, die über einen der "Business Partner" anfragen - zahlen je 250 Euro Grundgebühr pro Jahr.
Die Wirtschaftskammer sagt
Wie voluminös der Meldedaten-Markt mittlerweile geworden ist,
lässt sich nur schätzen, da weitere harte Zahlen Mangelware sind.
Laut dem Fachverband Unternehmensberatung und
Informationstechnologie der Wirtschaftskammer fallen diese Gebühren
für Serverbetrieb, Userverwaltung aber auch für Inkasso an. Sie
betragen, so Dieter Zoubek vom Fachverband, bei seinen Mitgliedern
in der Regel unter 20 Prozent. Der Umsatz mit Providing allein liege
noch diesseits einer halben Million Euro.
"Online-Abfrage wird technisch adaptiert"Der Rechtswaltskammertag
Dazu bieten die meisten "Business Partner" zum reinen Access Providing und der Abrechnung verschiedenste Zusatzservices an, die Aufschläge in den unterschiedlichsten Höhen vorsehen.
Wie viel hier zusätzlich umgesetzt wird, ist angesichts der Vielfalt der vielen Angebote schwer.
Der Hauptanteil der Abfragen des ZMR aber kommt von Großabnehmern, wie Banken, Versicherungen oder Handynetzbetreibern die selbst Provider und Abnehmer tätig sind
Samt Grundgebühren setzt das Innenministerium heuer nach dieser Rechnung über drei Mio Euro um, was ein augenblickliches Marktvolumen von mindestens sechs Mio Euro ergibt.
Der Grund für dieses schnelle Wachstum ist: bei all diesen Anfragen geht es wiederum direkt um Geld. "99 Prozent der Anfragen betreffen offene Forderungen", sagte Waltraute Steger, Vizepräsidentin des Rechtsanwaltskammertags, zur fuZo.
Die österreichischen Rechtsanwaltskammern bieten ihren 4500 Mitgliedern ebenfalls Zugriff auf die Meldedatenbank, allerdings mit einem wichtigen Unterschied zu allen anderen Business-Partnern.
Die Kammer kann das ZMR in eigenem Namen abrufen und das Ergebnis selbst an den betreffenden Anwalt weitergeben.
Der muss sich nicht selbst im Innenministerium anmelden, womit auch keine jährliche Grundgebühr anfällt. Es handle sich um "einen geschlossenen Benutzerkreis" und man vermarkte diesen Service "nicht aktiv", so Steger weiter, genaue Zahlen lägen momentan nicht vor.
"Online-Abfrage von Meldedaten illegal""Ein bisserl zu schlau gewesen"
Alle Geschäftsmodelle haben allerdings nicht funktioniert. Die Tiroler Unternehmensberatung Advokat wollte nach dem Modell der Anwaltskammer selbst Weitergabestelle sein. Zu diesem Zweck habe man ein "Adressbüro" angemeldet, um Daten weitergeben zu können, sagte Martin Mandler, Geschäftsführer von Advokat zur fuZo.
Das Geschäftsmodell sei dem Ministerium zur Prüfung vorgelegt, dort genehmigt worden und im Frühjahr nach ersten Presseberichten widerrufen worden. Man habe etwa 300 Anwälten die jährliche Grundgebühr [75.000 Euro] ersparen wollen, so Mandler weiter. Im Nachinein gesehen habe sich dieses Geschäftsmodell freilich "als ein bisserl zu schlau" erwiesen, da das Ministerium auf die Gebühr nicht verzichten wollte.
