ADONIS-Nachspiel vor Gericht möglich
Die - gegenseitige - Auflösungen des Vertrages des Innenministeriums mit dem master-talk-Konsortium, welches das Behördenfunksystem ADONIS entwickeln sollte, steuert jetzt auf ein Nachspiel vor Gericht zu:
Master-talk sei derzeit dabei, "sich auf einen möglichen Schadenersatzprozess vorzubereiten", bestätigte auch master-talk-Sprecherin Petra Jakob.
Zu diesem und anderen Punkten werden es am Mittwoch kommender Woche eine Gesellschafterversammlung der master-talk-Eigentümer geben. Ein möglicher Schadenersatzprozess könnte sich "über Jahre hinziehen".
Der effektive Schaden bei master-talk belaufe sich auf mehr als 100 Mio. Euro, allerdings hätten durch die Vorgangsweise des Innenministeriums auch die Sublieferanten - etwa ABB/Alcatel, Alpine Energie und Frequentis - "enormen Schaden" erlitten, so Jakob.
Wer am ADONIS-Scheitern schuld istEin Rechtskörper für den Prozess
Die 90 master-talk-Mitarbeiter seien bereits beim AMS zur Kündigung angemeldet worden, möglicherweise seien auch weitere Mitarbeiter bei den Sublieferanten betroffen.
Master-talk werde demnächst auf eine Rumpfmannschaft heruntergefahren. Die Gesellschaft bleibe als Rechtspersönlichkeit bestehen, um den geplanten Prozess führen zu können.
Dieser Rechtskörper werde aber künftig nicht mehr operativ tätig sein. Auf die Geschäftsführung habe diese Redimensionierung vorerst keine Auswirkungen.
ADONIS "Imageverlust" für ÖsterreichInnenministerium zuversichtlich
Das Innenministerium hält unterdessen am Projekt eines Digitalfunknetzes ADONIS [Austrian Digital Operating Network for Integrated Services] fest.
"ADONIS wird es geben", bekräftigte eine Sprecherin des Innenministeriums. Die in der Vorwoche beschlossene Vertragsauflösung mit master-talk werde das Projekt nicht weiter verzögern. "Eine Verzögerung um ein halbes bis ein Jahr wäre sowieso eingetreten", sagte die Sprecherin mit Verweis auf technische, aber auch personelle Probleme, die sich mit master-talk schon seit Monaten entwickelt hätten.
Der technische Projektleiter Manfred Blaha wollte sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt auf keine zeitlichen Prognosen einlassen.
Es gebe mehrere Angebote, das Projekt zu realisieren. Der bei der Vergabe im Vorjahr unterlegene Bieter Motorola hat beim Innenministerium angeblich bereits eine Lösung für eine freihändige Vergabe deponiert.
Weiter Gerangel um Digitalfunknetz
