03.07.2003

ADONIS

Weiter Gerangel um Digitalfunknetz

Das Innenministerium hält nach dem Streit mit dem Errichterkonsortium master-talk am Projekt eines Digitalfunknetzes ADONIS [Austrian Digital Operating Network for Integrated Services] fest.

"ADONIS wird es geben", bekräftigte eine Sprecherin des Innenministeriums. Die in der Vorwoche beschlossene Vertragsauflösung mit master-talk werde das Projekt nicht weiter verzögern. "Eine Verzögerung um ein halbes bis ein Jahr wäre sowieso eingetreten", sagte die Sprecherin mit Verweis auf technische, aber auch personelle Probleme, die sich mit master-talk schon seit Monaten entwickelt hätten.

Der technische Projektleiter Manfred Blaha wollte sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt auf keine zeitlichen Prognosen einlassen.

Vergaberecht wurde geändert

Damit könnte eine zeitaufwendige Neuausschreibung vermieden werden, was von Juristen jedoch als kaum umsetzbar betrachtet wird. Interesse hat laut Blaha auch der Eurofighter-Lieferant EADS bekundet, der in die Gegengeschäftsplattform für die Abfangjäger eingebunden werden könnte.

Als Anbieter einschlägiger Technologien gelten neben Motorola und der Siemens-Tochter Rohde & Schwartz auch Nokia, das von der französischen Thales übernommene britische Racal und das österreichische Frequentis.

Dass das Vergaberecht seit der Auftragsvergabe an master-talk im Vorjahr geändert wurde, macht die Situation nicht gerade übersichtlicher. "Wir prüfen derzeit, wie wir uns vergaberechtlich bewegen können", so Blaha. Ein Kuriosum offenbart sich dabei auf EU-Ebene.

Bundesländer werden ungeduldig

Dass die Zeit für das Innenministerium drängt, ist aus verschiedenen Bundesländern zu hören. Niederösterreich, Oberösterreich, Tirol und Kärnten sollen eigene Insellösungen für ihre Blaulichtorganisationen planen, falls es nicht rechtzeitig zu einem bundesweiten Digitalsystem kommt.

Gendarmerie am härtesten betroffen

Zwischen zwei Sesseln sitzt die Gendarmerie: Sie hat eine dringende Erneuerung ihres Funknetzes für damals rund 110 Mio. Euro in der Hoffnung auf ADONIS unterlassen. Nun fehlt wegen der Budgetkürzungen das Geld und das Netz ist nicht verfügbar.

Dem Auftrag an master-talk zufolge sollte ein digitales Teilnetz heuer im September für Niederösterreich in Betrieb gehen und bis Anfang 2004 für Tirol und das Burgenland. Die für das Jahr 2005 geplante Fertigstellung des bundesweiten Netzes könnte aber noch zu schaffen sein. "Im Herbst müsste aber etwas passieren", sagte Blaha dazu.