10.06.2003

IRAK

Bildquelle: ORF.at

Wiederaufbau der Internet-Infrastruktur

Im Irak scheint die staatlichen Gesellschaft für Internet-Dienstleistungen von den US-Verwaltern des Landes reaktiviert worden zu sein: Bei der "gesellschaftlichen Erneuerung" Iraks soll das Internet eine Schlüsselrolle einnehmen, sagte jetzt Generaldirektor Schakir Abdulla der Nachrichtenagentur AP.

Der Krieg hat die kärgliche Internet-Infrastruktur weitgehend zerstört, amerikanische Raketen trafen die Antennen und Übertragungsstationen auf dem Dach des irakischen Informationsministeriums. Und nach Kriegsende wurden die landesweit 65 Internet-Cafes größtenteils geplündert.

Sie zu erneuern, scheiterte bisher an der darnieder liegenden Stromversorgung oder an Problemen im Telefonnetz. Nur ein Cafe im Bagdader Bezirk Babil mit fünf Computern sowie persönliche Satellitentelefone etwa von Journalisten stellten nach Kriegsende noch Verbindungen von Bagdad ins Internet her.

Wiederaufbau "fast" ohne Zensur

Ingenieuren der staatlichen Internet-Gesellschaft gelang jetzt es, einen der Satellitenempfänger aus dem ausgebrannten Informationsministerium in Bagdad zu retten und auf dem Dach eines zweistöckigen Hauses im westlichen Stadtteil Adel zu platzieren.

Wochenlang verlegten Abdullas Techniker Kabel und tüftelten an der Ausrichtung der Schüssel. Endlich gelang es, Datensignale zu empfangen und zu senden. Jetzt soll hier eine Basisstation für die Verbindung mit dem weltweiten Computernetz entstehen. Und schon bald soll ein Internet-Cafe mit 50 Plätzen angeschlossen werden.

"Wir haben bei null angefangen", sagt Abdulla. "Wir mussten alles mit der Hand neu einrichten." Es sei eine große Herausforderung, unter solchen Bedingungen zu arbeiten, sagt der 32-jährigen Datenbank-Programmierer Maathir Fahad. "Aber wir sind guter Dinge."

Wenn das Netz erst einmal richtig installiert sei, sagt Abdulla, werde es keine Filter und Restriktionen mehr geben - "es sei denn, dass wir als Unternehmen beschließen, Pornographie zu blockieren".