Teilchenbeschleuniger LHC neu gestartet

FORSCHUNG
21.11.2009

Datenverarbeitung beginnt erst in einigen Wochen

Nach rund einjährigen Reparaturarbeiten ist der weltgrößte Teilchenbeschleuniger LHC (Large Hadron Collider) wieder hochgefahren worden. In der Nacht auf Samstag wurden erstmals wieder Protonenstrahlen für den Bruchteil einer Sekunde in den 27 Kilometer langen runden Tunnel am Europäischen Kernforschungszentrum (CERN) bei Genf geschickt, wie CERN-Sprecher James Gillies mitteilte. Die Anlage lief allerdings zunächst nur gedrosselt an.

Nachdem Pannen den Erststart des spektakulären Projekts im Sommer 2008 zum Fiasko hatten werden lassen, lief nun alles nach Plan. Tatsächlich floss der erste Protonenstrahl neun Stunden früher als erwartet: "Wir mussten einige Wissenschaftler zurückrufen, sie waren schon nach Hause gegangen", sagte Gillies. Wenige Stunden später wurde ein zweiter Protonenstrahl in entgegengesetzter Richtung auf den Weg gebracht, der entscheidende Schritt für die Protonenkollision.

Daten erst in einigen Wochen

CERN-Direktor Rolf-Dieter Heuer sagte, die Forscher hätten erfolgreich einen Protonenstrahl in der unterirdischen Ringröhre zirkulieren lassen. "Wir haben noch einiges zu tun, aber mit diesem Meilenstein sind wir auf gutem Wege", so Heuer. Mit der Sammlung wissenschaftlicher Daten soll den Angaben zufolge erst einige Wochen nach dem Neustart begonnen werden.

Mit der Anlage nahe der französisch-schweizerischen Grenze sollen wissenschaftliche Rätsel zur Entstehung des Universums und Struktur der Materie gelöst werden. Dazu wollen Forscher Bedingungen wie unmittelbar nach dem Urknall vor 13,7 Milliarden Jahren erzeugen. Bei Experimenten sollen hochenergetische Teilchen bis nahe an die Lichtgeschwindigkeit beschleunigt werden, um sie dann aufeinanderprallen zu lassen.

Gedrosselte Leistung

Beim Neustart lief der LHC zunächst nur mit gebremster Kraft an. Das CERN hatte erklärt, von der vollen Leistungskraft von fünf Teraelektronvolt zunächst nur 3,5 Teraelektronvolt zu nutzen. Damit liegt die Leistung noch immer höher als beim bisher größten Teilchenbeschleuniger Tevatron in der Nähe von Chicago, der mit einem Teraelektronvolt betrieben wird. Um seine volle Leistungskraft zu erreichen, muss der LHC mehrere Jahre laufen.

Der LHC wurde am 10. September 2008 nach fast 20-jähriger Bauzeit und 3,9 Milliarden Euro Baukosten unter großer weltweiter Beachtung in Betrieb genommen. Bereits weniger als 48 Stunden nach Inbetriebnahme ereignete sich aber eine erste Panne. Wenige Tage später musste die Anlage wegen Schäden am Kühlsystem erneut abgestellt werden. Inzwischen wurden Sicherungsvorrichtungen eingebaut, die einen reibungslosen Betrieb gewährleisten sollen.

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(APA/AP/AFP)