Die großen Brüder der Netbooks
Nach dem Erfolg der billigen und leichten Netbooks wollen die Hersteller nun eine günstige Ultraleicht-Geräteklasse über der Atom-Plattform auf dem Markt etablieren. Stromsparende Prozessoren wie jene der Intel-Serie Consumer Ultra Low Voltage (CULV) sollen für mehr Rechenkraft und längere Akkulaufzeit bei weniger Gewicht sorgen. ORF.at hat sich zwei 13-Zoll-Modelle von HP und Asus mit Dual-Core-Prozessoren von AMD und Intel näher angesehen.
Bis zum Siegeszug der Netbooks waren kleine und leichte Rechner vor allem etwas für Anwender mit gut gefüllten Geldbörsen. Erst mit der Einführung von Asus' erstem Eee PC Ende 2007 und der später folgenden Vorstellung der Atom-Plattform von Intel kam Bewegung in den Markt der ultramobilen Rechner.
Netbooks zeichnen sich einerseits durch wenig Gewicht und lange Akkuleistung aus, andererseits durch ihren geringen Preis. Aufgrund der beschränkten Leistungsfähigkeit des Atomprozessors haben sie jedoch ein begrenztes Einsatzgebiet. Dieses Manko sollen die neuen stromsparenden Prozessoren wettmachen.
CULV: Wenig Strom und trotzdem mehr Leistung
Intels CULV-Prozessoren sind dafür optimiert, den Bau von möglichst kleinen und leichten Notebooks zu ermöglichen. Sie sind allerdings auch deutlich teurer als Atom-CPUs. AMD will mit seiner "Ultrathin Plattform der zweiten Generation" (vormals "Congo") ebenfalls am Kuchen mitnaschen. Daneben rittert auch Via um einen Anteil.
Beide Prozessoren in den getesteten Geräten verfügen über zwei Kerne, AMDs Athlon Neo X2 L335 kommt mit 512 KB L2-Cache, Intels Core 2 Duo mit drei MB L2-Cache.
Rund um den Verkaufsstart von Windows 7 stellten die Hersteller nun ihre Versionen der nächsten Generation von ultramobilen Rechnern vor, darunter Hewlett-Packard (HP) und Asus. ORF.at sah sich je ein 13,3-Zoll-Modell aus dem Angebot der beiden Konzerne näher an, von Asus das UL30 mit dem Core 2 Duo SU7300 (1,3 GHz) und HPs dm3 mit AMDs Athlon Neo X2 L335 (1,6 GHz). Beide versprechen eine lange Akkulaufzeit bei ausreichend Leistung für alltägliche Aufgaben unter Windows 7 Home Premium 64 Bit.
Aluminium für unterwegs
Auf den ersten Blick wirkt das dm3 mit seinem Aluminiumchassis deutlich hochwertiger als das Gerät von Asus. Der an der Unterseite des Geräts zwischen den Monitorscharnieren zu befestigende Akku des UL30 hat zu viel Spiel und wackelt, die silberfarbene Plastikoberfläche rund um die Tastatur ist schon optisch ganz deutlich als solche zu erkennen. Dennoch ist auch das UL30 mit seinem Aluminiumdeckel ausreichend verwindungssteif. In ihren Außenmaßen unterscheiden sich die beiden Geräte (UL30: 32,3 mal 23,3 mal 3,2 cm, dm3: 32,7 mal 23 mal 3,2 cm) nur minimal. Das dm3 ist mit 1,91 Kilogramm 130 Gramm schwerer als das UL30.
Das dm3 mit AMD-Chip wird mit vier GB DDR2-RAM ausgeliefert, das UL 30 in der Retail-Version mit drei GB DDR3-Speicher. Die Festplatten fassen jeweils 320 GB, die des dm3 dreht sich 7.200-mal pro Minute, die Asus-HD 5.400-mal.
Die Ausrüstung
Beide Geräte haben je eine HDMI-Schnittstelle, einen VGA-Ausgang, einen Ethernet-Port, Anschlüsse für Mikrofon und Kopfhörer sowie einen Speicherkarten-Slot (SD, MMC, Memory Stick, Memory Stick Pro sowie xD Picture) und eine über dem Monitor eingebaute Webcam. Das dm3 hat mit vier USB-Ports einen mehr als das UL30, allerdings ist der Kartenleser nicht so gut verarbeitet, eine eingesteckte SD-Speicherkarte etwa ragt zu weit aus dem Slot heraus. WLAN unterstützt Asus nach den Standards 802.11 b/g/n, das dm3 in dieser Konfiguration nur 802.11 b und g. Beide Geräte haben kein optisches Laufwerk integriert, HP liefert beim dm3 aber einen externen DVD-Brenner (Double Layer) für den Anschluss via USB mit.
Ein Trackpad zum Putzen
Asus integrierte beim UL30 das Trackpad gestalterisch beinahe übergangslos in die Plastikoberfläche, es hebt sich von der Handballenauflage nur durch kleine Vertiefungen ab, funktioniert aber gut. HPs hochglänzendes Trackpad erzeugt im Vergleich dazu bei der Benutzung überraschend viel Reibung, die den Finger mitunter bremsen kann. Zudem sieht man darauf jeden Fingerabdruck, und nach einiger Zeit wirkt das verschmierte Hautfett unappetitlich - ganz wie auf hochglänzenden Handys.
Multitouch-Gesten unterstützen beide Systeme, wenn auch nur bedingt. Das UL30 bietet die Möglichkeit, mit zwei Fingern horizontal und vertikal zu scrollen. Der Benutzer kann auch Multitouch-Gesten verwenden, die mit bis zu drei Fingern ausgeführt werden. Beim dm3 kann ebenfalls mit zwei Fingern gescrollt werden, zusätzlich kann man Inhalte mit speziellen Gesten vergrößern/verkleinern und drehen. Zoom und Achsdrehung funktionieren allerdings nicht in der mitgelieferten PhotoSmart-Software von HP. Die Fotoanzeige von Windows 7 unterstützt beide Funktionen allerdings anstandslos.
HP bietet den besseren Anschlag
Beide Geräte haben eine Chicklet-Tastatur, bei der die Tasten zwischen Durchbrüchen in der Gehäuseoberfläche durchgeführt werden, wobei das Keyboard des dm3 wiederum hochwertiger anmutet und einen besseren Anschlag und Druckpunkt sowie eine große rechte Shift-Taste bietet. Beim UL30 werden Ungeübte stattdessen häufig die Shift-Taste verfehlen, die Bildlauftasten aus Versehen treffen und damit sinnfrei im Text herumspringen. Beide Tastaturen biegen sich beim Tippen leicht durch, vor allem jeweils auf der rechten Seite. Beim UL30 biegt sich die Tastatur etwas stärker durch, allerdings nicht so stark, als dass es bei der Benutzung besonders negativ ins Gewicht fallen würde.
Glänzende Grafik mit Optionen
Auffallend ist hingegen bei beiden Geräten der hochglänzende Monitor mit LED-Hintergrundbeleuchtung und einer Auflösung von 1.366 mal 768 Pixel, wobei der HP-Monitor eine Spur mehr Farbbrillanz aufweist. Das UL30 arbeitet mit dem integrierten Intel-Grafiksystem GMA 4500M, das dm3 im Akkubetrieb mit der integrierten ATI Radeon HD 3200. Sobald das HP-Gerät an der Steckdose hängt, schaltet sich die ATI Mobility Radeon HD 4330 mit 512 MB dezidiertem DDR3-Speicher automatisch dazu. Sie kann über das ATI-Kontrollcenter auch händisch eingeschaltet werden, sollte der User unterwegs etwas mehr Grafikleistung benötigen.
HPs dm3 als Heizkissen
Das dm3 wird bei der Benutzung recht warm bis heiß, trotz der auch über die Handballablage spürbar abgeführten Wärme. Der Lüfter ist konstant zu hören, teilweise wird er unangenehm laut, beispielsweise im Test mit dem umfangreichen Flash-Spiel "Machinarium". Der Akku des dm3 hält auch nicht besonders lange durch, im Test war bereits nach vier Stunden im vom HP voreingestellten Energiesparplan mit klassischen Arbeitsanwendungen wie Office der Strom aus. Mit der HD 4330 und dem Spiel "Machinarium" hielt der Akku sogar nur zwei Stunden durch.
Langläufer UL30
Das UL30 zeigte nach vier Stunden Benutzung von Office-Programmen und Browser im Entertainment-Energiemodus noch Reserven für weitere drei Stunden und hielt dann im Test sogar noch eine zusätzliche Stunde durch. Mit den passenden Einstellungen von Asus' Power4Gear Super Hybrid Engine sollten mit dem UL30 auch mehr als acht Stunden Laufzeit kein Problem sein. Asus verspricht für den Acht-Zellen-Akku (4.400 mAh) zehn Stunden Laufzeit.
Gute Begleiter für durchschnittliche Aufgaben
Beide Geräte eigenen sich grundsätzlich gut für durchschnittliche Office-Anwendungen, Bildbearbeitung und natürlich das Surfen im Web. Grafik- und rechenintensive Spiele und Anwendungen sind nicht ihre Hauptdomäne, das in Flash programmierte "Machinarium" lief auf beiden Geräten dafür ohne Problem. Das AMD-Gerät verliert in der Gesamtbewertung trotz der höheren Wertigkeit und des beigelegten DVD-Brenners eindeutig durch die Hitzeentwicklung und vor allem den Lüfterlärm. Vier Stunden Akkuleistung sind außerdem zu wenig. Das UL30 wurde zwar an der Unterfläche bei intensiven Anwendungen ebenfalls warm, die Handballenauflage war allerdings immer angenehm temperiert. Windows 7 lief auf beiden Geräten erwartungsgemäß flüssig.
Mattes Display und UMTS als Option
Das dm3 gibt es nicht nur mit einem AMD-Prozessor und der ATI-Grafikkarte, sondern auch mit Intels Pentium SU4100 und dem Core 2 Duo SU7300 sowie NVIDIAs GeForce G 105M und DDR3-RAM - dann allerdings ist das Gerät deutlich teurer. Mit dem schwächeren SU4100 und ohne Laufwerk kostet es 799 Euro (dm3-1020eg), mit dem SU7300 und einem externen DVD-Brenner kommt das Gerät auf 899 Euro (dm3-1030eg). Dafür gibt es dann auch WLAN nach Standard n, eine 500 GB große Festplatte (mit 5.200 Umdrehungen pro Minute) und Bluetooth.
Wem das UL30 zu groß ist, kann auf das UL20 zurückgreifen, das dieselbe Auflösung auf einem 12,1 Zoll großen Monitor bietet und 1,5 Kilo wiegt. HP hat mit dem dm1 und dem dv2 ebenfalls Zwölf-Zoll-Notebooks im Programm, diese sind aber mit dem schwächeren Intel Celeron SU2300 beziehungsweise mit AMD-Prozessoren ausgestattet.
Das UL30 kommt in der getesteten Konfiguration (allerdings in schwarz) auf 599 Euro - im Vergleich zum gleichwertigen HP-Modell ist das deutlich günstiger. Zudem wird es das UL30 demnächst auch mit mattem Display geben und - wie das Schwestermodell UL80VT - auch mit zuschaltbarer Grafikkarte. Ein integriertes UMTS-Modul soll das UL30 ebenfalls bekommen, Asus konnte für diese Optionen aber noch keine Preise für den österreichischen Markt nennen. HP listet ein integriertes UMTS-Modul für das dm3 (Modell 1040eg) zum Gesamtpreis von 899 Euro ebenfalls auf.
Auf den Spuren der Netbooks
Mit den neuen CPUs und Notebook-Modellen zeigen Intel und die Hersteller, dass Netbooks in der Welt der ultramobilen Rechner doch noch nicht das letzte Wort waren. Allerdings sind auch die aktuell verfügbaren CPUs noch nicht der Weisheit letzter Schluss. Vor allem zur US-Messe CES wird von Intel einiges erwartet, schließlich steht die breitere Einführung von Prozessoren an, die im 32nm-Prozess gefertigt werden. Die Atom-Plattform soll ebenfalls demnächst aktualisiert werden und damit ausgestattete Rechner dann ganz ohne Lüfter auskommen. 2010 wird damit ein interessantes Jahr für die Freunde kompakter mobiler Rechner.
(futurezone/Nadja Igler)
