Paraflows: 4chan und Duftgraffiti
Das Netzkulturfestival Paraflows läuft 2009 unter dem Motto "Urban Hacking". Auch "moot", der Gründer des berüchtigten Web-Boards 4chan, wird dazu in Wien erwartet.
Ein Rasenroboter, der Botschaften in Wiesen in öffentlichen Parks mäht. Eine Containerstadt mitten auf dem Karlsplatz. Und Geruchsgraffiti: Das Festival "paraflows" für Digitale Kunst und Kulturen (10. bis 20.9.) in Wien setzt sich in seiner vierten Ausgabe mit künstlerischen und gegenöffentlichen Eingriffen in den urbanen Raum auseinander.
Insbesondere wird unter dem Motto "Urban Hacking" die "Rolle der digitalen Medien bei der Erforschung, Hinterfragung und Gestaltung der öffentlichen Infrastruktur" im Zentrum stehen, hieß es am Donnerstag bei einer Pressekonferenz.
Das Festival bringt dafür einen Gast nach Wien, den zwar kaum einer kennt, der aber eine einflussreiche Online-Persönlichkeit ist, wie Johannes Grenzfurthner von der Künstlergruppe monochrom schilderte: "Moot" nennt sich der Gründer jenes anonymen Subkultur-Imageboards "4chan", auf dem zahlreiche Internet-Hypes wie etwa die "Lolcats" geboren wurden. "Moot" soll nun in Wien beim "paraflows"-Symposion (11. bis 13.9., RaumD im MuseumsQuartier) erläutern, wie sich solche Hypes im Netz verbreiten.
Die Stadt als Ausstellungsraum
Ebenfalls Thema werden Flashmobs (das sind kurze semitheatrale Massenszenen) als Eingriff in den öffentlichen Raum, eine "Urban Pilgrims Tour" an die entlegensten Winkel der Stadt und "Smell Graffiti" sein, schilderte Festivalleiter Günther Friesinger.
Letztere überraschen an unerwarteter Stelle im Stadtraum mit ungewöhnlichen Düften. Das Festival greift mit der Containerstadt gegenüber dem Künstlerhaus auch selbst temporär in den öffentlichen Raum ein. Darin zeigt die "paraflows"-Ausstellung 30 Kunstpositionen, etwa den "tat ort", eine private Zelle auf dem Karlsplatz, die während der Ausstellungsdauer von Künstlern bewohnt wird. Deren "Lebensgeräusche" werden über Lautsprecher an den benachbarten Bäumen nach außen übertragen.
Weiters auf dem Programm von "paraflows" stehen Überraschungsfilm-Matineen, das Figurentheater-Stück "Cakes in Lima" von Thomas Ballhausen und "Krach, der Roboter", der durch das Fastzerstören von Computerchips musiziert. Zeitlich will sich das Wiener "paraflows"-Festival zwischen der Ars Electronica in Linz und dem steirischen herbst in Graz als Fixpunkt in der österreichischen Festivallandschaft verstärkt etablieren.
(APA)
