© tat-ort, Projekt

Paraflows setzt auf "Urban Hacking"

KUNST
16.07.2009

Das Wiener Medienkunstfestival Paraflows will im vierten Jahr seines Bestehens den städtischen Raum "hacken". Geplant sind ein Containerdorf auf dem Karlsplatz und ein Kongress zu den Themen Urbanität, Hacker-Strategien und Risiko. Mit verborgenen Lautsprechersystemen und Geruchsgraffiti wollen die beteiligten Künstler Zeichen im städtischen Raum setzen.

Paraflows, das Wiener Festival für digitale Kunst und Kulturen, beschäftigt sich in diesem Jahr mit dem Thema "Urban Hacking". "Wien hat eine reichhaltige Tradition der Interventionen im städtischen Raum", so Festivalleiter Günther Friesinger bei der Präsentation des Konzepts am Montag in Wien. Im vierten Jahr seines Bestehens sei Paraflows "international etabliert".

Vom 11. September bis zum 11. Oktober wird auf dem Karlsplatz zwischen Künstlerhaus, Karlskirche und Project Space eine Containerstadt entstehen, in der zahlreiche Werke und Projekte zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler vorgestellt werden. Ein weiterer Veranstaltungsort ist das Hacker-Labor Metalab, in dem die Theorien gleich am Gerät ausprobiert werden können. Die Eröffnungsveranstaltung ist für den 10. September geplant.

Beim dazugehörigen Symposion "Urban Hacking - Cultural Jamming Strategies in the Risky Spaces of Modernity", das vom 11. bis zum 13. September stattfinden wird, soll es um die Themen Stadt/Urbanität, Hacking und Risiko gehen, so Kurator Thomas Ballhausen. Friesinger betont, dass es beim zweiten Panel auch um Hacking im traditionellen Sinn gehen werde, und verspricht prominente Gäste aus der Szene - wer genau kommen wird, wollten die Paraflows-Macher aber noch nicht verraten.

In Vertretung von Ausstellungsleiterin Judith Fegerl stellte Paraflows-Sprecherin Katrin Draxl einige der Projekte vor, die im Rahmen des Festivals präsentiert werden. So hat die österreichische Gruppe tat-ort vor, auf dem Karlsplatz einen Wohncontainer aufzustellen. Unter dem bewährten John-Cage-Motto "Für die Vögel" werden die Geräusche aus dem Containerhaushalt über ein Lautsprechersystem in den umgebenden Bäumen nach draußen übertragen. Weitere Überwachung ist da unnötig.

Der deutsche Künstler Adrian Lohmüller wird "eine hochfrequentierte Zone" in der U-Bahn-Station Karlsplatz "in fünfminütigen Intervallen mit Gähnlauten beschallen" und damit eine "Epidemie der Trägheit" erzeugen, wie das Werk auch benannt ist. Denn Gähnen steckt bekanntlich an. Mehr Action verspricht dagegen das Game-Projekt "Parcour Ready Played" der österreichischen Spielekultur-Experten Margarete Jahrmann und Max Moswitzer, die die französische Trendsportart Parkour in einer computerspielartigen Videosequenz aufgelöst und rekonstruiert haben.

Gebhard Sengmüller präsentiert seine Arbeit "Nutztier Grafik Generator", eine Übung in der Disziplin GPS-Drawing. Auf dem Hof von FritzVoithofer in Stuhlfelden hat Sengmüller sechs Kühe und zwei Esel fünf Tage lang mit GPS-Loggern herumlaufen lassen und die Spuren der Tiere als Computergrafik visualisiert.

Mitchell Heinrich aus San Francisco wird zur Zeit der Ausstellung als Artist in Residence im MuseumsQuartier zu Gast sein. Er hat vor, ein Geruchsgraffiti-Projekt in Wien umzusetzen: "Wie würden Passanten reagieren, wenn plötzlich ein ganzer Häuserblock in der Stadt nach frisch geschnittenem Gras duften würde?"

Die zeitgenössischen Arbeiten werden in der Ausstellung mit thematisch verwandten Arbeiten etablierter Künstler wie Valie Export und Peter Weibel präsentiert. Der Eintritt ist frei.