D: Mehr Internet-Angriffe auf Firmen

BERICHT
18.05.2009

Auch Regierungsstellen vermehrt Ziel von Wirtschaftsspionage

Deutsche Unternehmen und Regierungsstellen werden einem Zeitungsbericht zufolge zunehmend Ziel von Wirtschaftsspionage durch Internet-Angriffe. Das geht laut "Handelsblatt" (Dienstag-Aausgabe) aus dem Verfassungsschutzbericht 2008 hervor, der am Dienstag in Berlin vorgestellt wird und der Zeitung nach deren Angaben in Auszügen vorliegt.

Darin heißt es, entsprechende "Internet-gebundene Angriffe" erlangten eine zunehmende Bedeutung. "Angesichts der ausgewählten Ziele und der angewandten Methoden erscheint eine nachrichtendienstliche Steuerung oder zumindest Beteiligung in vielen Fällen als sehr wahrscheinlich."

Russische und chinesische Geheimdienste

Nach Ansicht der Verfassungsschützer ist Deutschland demnach wegen seiner wichtigen Rolle in EU und NATO sowie als Standort zahlreicher Unternehmen mit Spitzentechnologie weiterhin "sehr attraktiv" für fremde Nachrichtendienste. Ausdrücklich nennt der Verfassungsschutz dem Bericht zufolge russische und chinesische Geheimdienste als Wirtschaftsspione. "Darüber hinaus sind Länder des Nahen, Mittleren und Fernen Ostens sowie Nordafrikas zu nennen", zitierte die Zeitung aus dem Bericht.

Auch Privatpersonen betroffen

Als Aufklärungsziele ausländischer Nachrichtendienste nennt der Verfassungsschutzbericht demnach die Informationsbeschaffung aus Politik, Wirtschaft und Militär. Auch sollten in Deutschland ansässige Organisationen und Menschen ausgespäht werden, die in Opposition zu den Regierungen in ihren Heimatländern stehen. In Deutschland aktiv seien auch Länder, die sich um den Besitz atomarer, biologischer oder chemischer Massenvernichtungswaffen und der erforderlichen Trägersysteme bemühen.

Schaden nicht genau bezifferbar

Der finanzielle Schaden durch Wirtschaftsspionage für die deutsche Volkswirtschaft ist laut "Handelsblatt" nicht genau bezifferbar. Das durch Wirtschaftsspionage und Konkurrenzausspähung in Deutschland entstandene Schadenspotenzial schätze die Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit der Wirtschaft (ASW) zwar auf jährlich bis zu 50 Milliarden Euro. Eine genaue Spezifizierung des Schadens sei aber nicht möglich, zumal von einer erheblichen Dunkelziffer ausgegangen werden müsse.

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(APA/AFP)