Haftstrafe für Ex-Livedoor-Chef gefordert

Japan
22.12.2006

Vier Jahre für falsche Finanzinformationen

Die japanische Staatsanwaltschaft hat im Prozess gegen den Ex-Präsidenten der von einem Betrugsskandal erschütterten Internet-Firma Livedoor eine Haftstrafe von vier Jahren gefordert.

Skandal erschütterte Tokios Börse

Takafumi Horie werden unter anderem die Verbreitung falscher Finanzinformationen im Zusammenhang mit einer Firmenübernahme sowie Bilanzfälschung vorgeworfen. Horie selbst hat stets seine Unschuld beteuert.

Der Skandal hatte Anfang des Jahres zu Panikverkäufen an Tokios Börse geführt, woraufhin erstmals in der Geschichte der Börse der gesamte Handel wegen drohenden Zusammenbruchs des Computersystems abgebrochen werden musste.

Ein Urteil in dem Prozess vor dem Bezirksgericht in Tokio wird im März erwartet. Sollte Horie für schuldig befunden werden, drohen ihm bis zu fünf Jahre Gefängnis oder ein Bußgeld von bis zu fünf Millionen Yen [rund 32.000 Euro].

Einst gefeierter Börsenstar

Für Ältere ist Horie der Inbegriff des "Casino-Kapitalismus", andere sehen ihn als einen Rebell gegen die überkommenen Konventionen der alten Japan AG. Der Abbrecher der Eliteuniversität Tokio hatte 1996 mit Freunden eine Webdesign-Firma gegründet und sie durch zahlreiche Firmenkäufe zu Livedoor ausgebaut.

Das einstige "Enfant terrible" der japanischen Unternehmerschaft, das sich in der Öffentlichkeit lieber in T-Shirts als in Anzügen zeigte, hatte mit seinem provokanten Auftreten mehrfach für großes Aufsehen gesorgt.

So hatte Horie 2005 auf spektakuläre Weise versucht, den größten privaten Fernsehsender des Landes, Fuji TV, zu übernehmen. In der Folge der letztlich erfolglosen Übernahmeschlacht führte Japan eine neue Gesetzgebung für Fusionen und Übernahmen nach amerikanischem Vorbild ein.

Neben Horie sind noch vier weitere frühere Manager von Livedoor angeklagt. Horie ist jedoch der einzige von ihnen, der die Vorwürfe zurückgewiesen hat. Seine frühere rechte Hand als Finanzchef, Ryoji Miyauchi, hatte sich dagegen schuldig bekannt und vor Gericht gegen seinen einstigen Chef ausgesagt.

(APA)