IT-Skandal zwingt Börse Tokio in die Knie

kurssturz
18.01.2006

Eine Betrugsaffäre hat die japanischen Anleger am Mittwoch in Panik versetzt. Um einen System-Zusammenbruch zu verhindern, musste die Börse erstmals vorzeitig schließen.

Dramatische Kursstürze an der Börse in Tokio: Nach massiven Aktienverkäufen im Zuge eines Skandals um die junge Internet-Firma Livedoor musste erstmals in der 56-jährigen Geschichte der Börse der gesamte Aktienhandel vor Ablauf der regulären Handelszeit abgebrochen werden.

Grund waren unzureichende Computerkapazitäten. Investoren und Experten sprachen von einer Schande für den zweitgrößten Börsenplatz der Welt.

Der Nikkei-Index schoss zwischenzeitlich um fast 750 Punkte in den Keller.

Am Ende des um 20 Minuten verkürzten Handels notierte das Kursbarometer für 225 führende Werte einen Verlust von 464,77 Punkten oder 2,94 Prozent bei 15.341,18 Punkten.

Absturz eines IT-Stars

Auslöser für die schweren Kurseinbrüche war wie bereits am Vortag der Wirbel um die japanische Internet-Firma Livedoor des 33-jährigen Internet-Unternehmers Takafumi Horie, der für seinen schillernden Lebensstil bekannt ist und wegen Kursmanipulation und Bilanzfälschung in das Visier der Staatsanwaltschaft geriet.

Livedoor soll illegalerweise einen Gewinn für die Mutter im Geschäftsjahr 2004 von 1,4 Milliarden Yen [zehn Mio. Euro] ausgewiesen haben, obwohl die Firma tatsächlich mit einer Milliarde Yen in den roten Zahlen gesteckt sei.

Der "Livedoor-Schock" setzte nicht nur andere junge Firmen unter Druck, sondern riss auch die erste Sektion der Tokioter Aktienbörse in einen rasanten Abwärtssog. Auch andere Internet-Firmen wie Softbank und Yahoo Japan standen unter starkem Verkaufsdruck.

Die Zahl der Transaktionen erreichte schließlich die Marke von etwa vier Millionen und stieß damit an die Grenze der Kapazität des Börsen-Computersystems von 4,5 Millionen.

1.574 Verlierer - 83 Gewinner

Investoren reagierten aufgebracht, als die Börsenleitung daraufhin den gesamten Handel abbrach. Experten sprachen von einem Desaster.

Erst kürzlich hatte es schwere Pannen mit dem Computersystem gegeben. In Marktkreisen wird schon befürchtet, dass eine Unzuverlässigkeit des Computersystems die Investoren nachhaltig abschrecken könnte.

Die Börse kündigte an, die Kapazitäten des Handelssystem zur Abwicklung von Transaktionen zum 30. Jänner auf fünf Millionen zu erhöhen.

1.574 Verlierer standen am Mittwoch nur 83 Gewinnern gegenüber, elf Titel schlossen unverändert.

(futurezone | dpa)