Software quälte Raumfahrer
Die erste Landung eines bemannten Raumschiffes seit der Columbia-Katastrophe ist am Sonntag alles andere als planmäßig verlaufen: Die Sojus-Kapsel mit der bisherigen Besatzung der Internationalen Raumstation [ISS] an Bord schlug rund 460 Kilometer vom vorgesehenen Zielort entfernt in Kasachstan auf und wurde erst nach zweistündiger Suche entdeckt.
Die außerfahrplanmäßige Flugbahn hat die beiden Astronauten und den Kosmonauten auch Fliehkräften ausgesetzt, die sie an den Rand ihrer Belastbarkeit gebracht haben dürften.
Die russische Raumfahrtbehörde hat jetzt in einem Statement als wahrscheinlichste Ursache für die missglückte Landung einen Software-Fehler im Steuerungscomputer der Kapsel ausgemacht.
Die von den Strapazen nach 161 Tagen im All gezeichneten Raumfahrer wurden noch am Sonntag ins Sternenstädtchen bei Moskau gebracht. Es war das erste Mal in der Geschichte der US-Raumfahrt, dass US-Astronauten mit einem russischen Raumschiff landeten.
Computer der Columbia gefundenFlugbahn zu steil
Die Sojus-Kapsel landete um 6.19 Uhr Ortszeit [4.19 Uhr MESZ] nördlich des Aralsees in der kasachischen Steppe. Grund für die große Abweichung vom geplanten Kurs war nach Angaben eines NASA-Mitarbeiters, dass die Flugbahn steiler als vorgesehen verlief.
Die Landung dürfte damit entsprechend unsanft gewesen sein. Russische Experten schätzten, dass die Raumfahrer dabei das Neunfache der Erdanziehung ertragen mussten.
Zehn Hubschrauber starteten von Astana aus zur Suche nach den drei Raumfahrern, mussten aber ohne Erfolg umkehren, weil der Ort der Landung außerhalb ihrer Reichweite lag.
Suchmannschaften entdeckten die Sojus-Kapsel schließlich erst mehr als zwei Stunden nach deren Landung. Nach Angaben der russischen Bodenkontrolle hatte die Besatzung die Luke bereits geöffnet, war aus der Kapsel ausgestiegen und winkte dem Flugzeug zu, das nach ihnen suchte.
