"Unfehlbarer" Schiedsrichter rückt näher
Mit Minisendern in den Schienbeinschonern der Spieler und im Ball soll das dynamische und komplexe System Fußball transparenter gemacht werden.
Das Erlanger Fraunhofer-Institut für integrierte Schaltungen und Cairos Technologies stellten dafür am Montag im Nürnberger Frankenstadion ihre Wireless-Tracking-Technologie für präzisere Schiedsrichter-Entscheidungen und fundiertere Spielanalysen offiziell vor.
"Unser Ziel ist es, präzise, kontinuierliche und dreidimensionale Positionsdaten aller 22 Spieler und des Balles sowie aller Spielsituationen in Echtzeit zu gewinnen und auszuwerten", sagte Hochfrequenz- und Mikrowellentechniker Thomas von der Grün vom Fraunhofer-Institut.
Die E-Jugend des SV Tennenlohe unterzog das Funkortungssystem am Montag einem Praxistext. Noch ist der Sender faustgroß, in einigen Monaten soll er auf Streichholzschachtelgröße reduziert werden.
Minisender im Fußball hilft SchiedsrichterBallposition auf Zentimeter genau
Kernstück des neuen Systems sind Mikrowellensender, die im Ball und in den Schienbeinschonern der Kicker angebracht werden. Außerdem müssen acht bis zehn Antennen am Spielfeldrand aufgestellt werden.
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Die damit empfangenen Signale werden über Glasfaserkabel an einen Server übermittelt, der die Signallaufzeiten analysiert und so die Positionen der Spieler und des Balles auf den Zentimeter genau berechnet.
"Viel schneller und exakter als beim umstrittenen Fernsehbeweis kann der Schiedsrichter auf einer Spezialarmbanduhr Begriffe wie Tor, Abseits oder Aus lesen", erläutert Projektleiterin Sylvia Couronne vom ISS.
Wertvolle Daten für den Trainer
Bereits in zwei Jahren soll das Positionssystem Ausschnitte eines Spiels automatisch analysieren können.
"Die professionelle Nachbereitung eines Fußballspiels ist gleichzeitig die strategische Vorbereitung für kommende Spiele und die Grundlage für den spielerischen Erfolg", erläutert Bernd Radig vom Institut für Informatik der Technischen Universität München die Ausgangsüberlegungen für das Projekt.
Die Wireless-Tracking-Technologie bietet Trainern alle Möglichkeiten, ihre Trainingsmethoden zu optimieren und ihre strategische Spielplanung zu verbessern.
Diese reichen von der momentanen Geschwindigkeit eines Spielers über seine Laufleistung während eines gesamten Spiels über die Zahl der Ballkontakte und Zuspiele bis hin zur Geschwindigkeit des letzten Torschusses. Ziel der Beteiligten ist es, das Cairos-System bei der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland einzusetzen.
"Bei Schwalben oder Fouls kann das System nicht helfen. Da ist nach wie vor der Schiedsrichter gefragt", kommentierte Sportreporter Günther Koch. "Wenn aber der Ball wie beim berühmten Wembley-Tor oder -Nichttor von der Latte nach unten springt, kann der Schiri oder der Reporter auch mit der besten Zeitlupe nicht erkennen, ob der Ball im Flug hinter der Torlinie war oder nicht."
Fraunhofer-Institut für integrierte Schaltungen
