Minisender im Fußball hilft Schiedsrichter
Hochfrequenztechniker des Fraunhofer Instituts für Integrierte Schaltungen haben einen Minisender entwickelt, der Schiedsrichtern in Bruchteilen von Sekunden die genauen Positionen von Ball und Spielern mitteilen kann.
Nun soll die Anlage im Nürnberger Franken-Stadion auf ihre Praxistauglichkeit getestet werden.
Kernstück des neuen Positionsbestimmungs-Systems sind winzige Mikrowellensender, die im Ball und in den Schienbeinschonern der Kicker angebracht werden. Außerdem müssen acht bis zehn Antennen am Spielfeldrand aufgestellt werden.
Ballposition auf Zentimeter genau
Die damit empfangenen Signale werden sofort über Glasfaserkabel
an einen Server übermittelt, der die Signallaufzeiten analysiert und
so die Positionen der Spieler und des Balles auf den Zentimeter
genau berechnet.
CairosJede Szene lässt sich rekonstruieren
"Viel schneller und exakter als beim umstrittenen Fernsehbeweis kann der Schiedsrichter auf einer Spezialarmbanduhr Begriffe wie Tor, Abseits oder Aus lesen", erläutert Projektleiterin Sylvia Couronne vom ISS. Jede Szene eines Fußballspiels lasse sich mit diesem System rekonstruieren.
Rund 7,5 Millionen Euro wurden bisher in die Entwicklung des Systems investiert, an dem auch die Karlsruher Cairos Technologies AG und Sportwissenschaftler der TU München mitgearbeitet haben.
Die Ausstattung eines Stadions soll nach Angaben von Cairos-Chef Hanno Reinert rund 250.000 Euro kosten. "Die Technik kann in allen Ballsportarten eingesetzt werden." Das System soll nicht nur Fehlentscheidungen vorbeugen. Auch Zusatzinformationen für Zuschauer und Trainer sollen damit abrufbar sein.
Großes Interesse in Fachkreisen
Die Erlanger Tüftler hoffen, dass ihre Erfindung schon bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland eingesetzt wird. Immerhin stößt die High-Tech-Anlage in Fachkreisen auf großes Interesse.
Der Schweizer FIFA-Schiedsrichter Urs Meier, der bei der WM 2002 in Asien das Halbfinale Deutschland - Südkorea pfiff, äußert sich durchwegs positiv über das System. "Gerade in einer Zeit, in der sich der Fußball in der Schnelligkeit und Genauigkeit rasant weiterentwickelt, wird der Job immer anspruchsvoller." Wenn die Technik ausgereift sei und zu 100 Prozent funktioniere, solle sie auch eingesetzt werden.
Ob der "gläserne Fußball" nun eingesetzt wird oder nicht, "entscheiden soll weiterhin der Unparteiische, nicht das System", betont Couronne. Reinert ergänzt: "Tatsachenentscheidungen werden nicht angetastet." So soll es auch weiter dem Schiedsrichter überlassen bleiben, wann er zur Pfeife greift oder weiterspielen lässt.
