23.04.2003

RIAA

Bildquelle: fuZo

98 Mrd. USD Schadenersatz für Musiktausch

Die bisher aggressivste Klage der US-Musiklobby sorgt derzeit an US-Universitäten für Aufsehen. In der Anfang April eingereichten Klage gegen vier Studenten wird eine Schadenersatzsumme in Höhe von 98 Milliarden USD gefordert.

Die Studenten hatten in ihren Uni-Netzwerken "Napster-ähnliche" Tauschbörsen-Systeme betrieben. Für jedes zum Tausch angebotene Werk soll nun der maximale Schadenersatz von 150.000 USD pro Titel fällig werden.

Während die Betroffenen derzeit gar nicht wissen, wie ihnen geschieht, sieht die Musikindustrie die Klage als Wendepunkt im Kampf gegen Online-Piraterie. Das kostenlose, aber unberechtigte Downloaden, das für viele schon zum College-Alltag gehört, soll dadurch etwas von seinem Charme einbüßen.

Viele Tauschbörsen schließen aus Angst

Aus der Sicht der RIAA [Recording Industry Association of America] zeigt die exemplarische Vergeltungsmaßnahme schon erste Wirkung. Viele Studenten haben inzwischen aus Angst vor den Forderungen der Musikindustrie ihre selbst konstruierten Tauschbörsen geschlossen.

Auch Jason, ein Student der University of Maryland, nahm seine beliebte Website vom Netz. "Ich glaube zwar nicht, dass ich irgendetwas falsch gemacht habe, aber wer will schon 98 Milliarden USD für den Rest seines Lebens abbezahlen? Die haben mir einfach Panik gemacht", so Jason. Über seine Seite tauschten 8.500 Kommilitonen Musikstücke und andere Files.

"Wir widmen den Universitäten so viel Aufmerksamkeit, da wir zeigen wollen, wie viel da eigentlich getauscht wird", begründet RIAA-Präsident Cary Sherman das Vorgehen. "Ich glaube, die Botschaft ist auch angekommen."

Mit Gratisangeboten aufgewachsen

Die Bemühungen der Universitäten, ihren Studenten das Tauschen abzugewöhnen, sind bisher weitgehend fehlgeschlagen.

Zwar wird Erstsemestern in Orientierungstutorien die Unrechtmäßigkeit solcher Handlungen eingeimpft, hie und da werden auch Abhandlungen über das Urheberrechtsgesetz eingefordert, die entsprechenden Ports oder sogar der Internet-Zugang eine Weile gesperrt. Doch selbst derartige Maßnahmen zeigen kaum Wirkung.

"Es ist ausgesprochen schwierig, da die Studenten mit dem Internet aufgewachsen sind, in dem Inhalte frei und kostenlos abrufbar sind", erklärte Graham Spanier, Dekan der Pennsylvania State University.

Höhere Studiengebühren als Lösung?

Auch die Unis wollen zwar aus Kostengründen die Tauschbörsen-Aktivitäten einschränken, doch gleichzeitig müssen sie die Privatsphäre ihrer Studenten schützen.

Sie sehen sich keineswegs für die totale Überwachung der Inhalte ihrer Uni-Netzwerke zuständig, wie die Musikindustrie es gerne hätte.

Andererseits müssen die Unis sichergehen, nicht selbst ins Visier der Musikindustrie zu geraten und für die Vergehen ihrer Studenten zur Kasse gebeten zu werden.

Als Lösungsansatz wird unter anderem überlegt, die Lizenzgebühren mit einer Erhöhung der normalen Studiengebühr abzugelten und so Campus-weite Musikservices zu legitimieren.