30.11.2002

FILE-SHARING

Bildquelle: PhotoDisc

Studenten verteidigen Tauschbörsen

Während die Universitäten in den USA versuchen die Flut an urheberrechtlich geschützten digitalen Media-Files in den Campus-Netzwerken einzudämmen, finden die Studenten immer wieder neue Wege, um ihren kostenlosen Vorrat an MP3s und Filmen zu verteidigen.

Zwar planen die meisten Universitäten nicht so radikale Schritte wie die Navy-Akademie, die letzte Woche gleich 100 Kadetten-PCs wegen des Verdachts auf illegale Downloads von Musik, Videos oder Software konfisziert haben, doch viele versuchen das Problem mit einer Kombination aus neuen Technologien und neuen Policys in den Griff zu bekommen.

Ports sperren und Bandbreite limitieren

Die Universitäten versuchen nun mit Lehrveranstaltungen über Urheberrechtsgesetze und elektronische Verhaltensregeln zu mehr Achtung vor intellektuellem Eigentum zu erziehen, doch die meisten Studenten engagieren sich mit ganz anderen Fähigkeiten in diesem Bereich. Sie wissen wie man Firewalls umgehen und seine Spuren durch das Benutzen vieler verschiedener Computer verwischen kann.

Nichtsdestotrotz arbeiten die Netzwerk-Administratoren unbeirrt daran die File-Sharing-Aktivitäten ihrer User zu stoppen. Sie sperrten die Ports, die die Tauschbörsen nutzen, limitierten mittels Software die Bandbreite der einzelnen User und displizinierten Studenten, die aktiv Dateien tauschten. Doch bisher so gut wie ohne Erfolg.

"Es ist eine wahre Schlacht, " sagt Ron Robinson, Admin an der Bradley University. "Ein richtiger verwaltungstechnischer Albtraum, zu versuchen mit der Technolgie Schritt zu halten."

Nicht einmal das Sperren der Ports ist mehr erfolgreich. Die neueste Version von Kazaa beispielsweise sucht automatisch nach offenen Ports und kann sogar den normalen Port, über den der Web-Traffic läuft und der daher offen gelassen werden muss, nutzen. Doch auch ohne die Hilfe von Kazaa können die Studenten mittels Port-Hopping-Software solche Sperren einfach übergehen.

Bildung oder Strafverfolgung

Versuchen die Universitäten die Bandbreite der Studenten zu limitieren, loggen sich diese einfach unter mehreren Accounts ein, um ihren Aktivitäten weiter nachzugehen.

Diese Praxis wird derzeit vor allem an der Cornell University gerne geübt. Schon im letzten Jahr wurden 50 Studenten wegen File-Sharing zu einigen Stunden gemeinnütziger Arbeit verdonnert, da die Musikindustrie in Schreiben an die Universität zu Konsequenzen gemahnt hatte. Die Uni selbst überwacht die Internet-Aktivitäten der Studenten jedoch nicht.

"Ja es ist Diebstahl und man soll nicht stehlen, aber da ist immer noch ein großer Unterschied zwischen dem Stehlen von Kreditkarten, Büchern oder ähnlichem und dem Musiktausch, " erklärt Mary Beth Grant, Leiterin der Rechtsabteilung an der Cornell University. "Wir wollen die Studenten nicht einfach bestrafen. Sie sollen vor allem aus ihren Fehlern lernen."

An vielen Universitäten wird derzeit darüber debattiert, wie man die Studenten zu moralisch und rechtlich richtigem Denken erziehen kann ohne dabei den Datenschutz oder die freie Meinungsäußerung zu verletzen.

"Das größte Problem der Universitäten ist, dass sie sich noch nicht entschieden haben, ob ihre Hauptaufgabe die Bildung oder die Strafverfolgung ist," bringt es Virginia Rezmierski von der Universität von Michigan auf den Punkt. "Und im Moment wird eindeutig mehr überwacht als ausgebildet."