Richter stellt Urteil gegen MS in Frage
Microsoft hat vor einem US-Bundesberufungsgericht die Aufhebung der gerichtlichen Verfügung beantragt, mit ein US-Bundesrichter aus erster Instanz das Unternehmen zur Übernahme einer aktuellen Java-Version in sein Betriebssystem zwingen wollte.
Auch Richter Paul Niemeyer, einer von drei Berufungsrichtern, stellte die einstweilige Verfügung in Frage. Möglicherweise sei das Urteil nicht gerechtfertigt und Sun entstehe daraus ein unwiderruflicher Vorteil.
MS-Anwalt David Tulchin bezeichnete das vorangegangene Urteil als "beispiellos und ungewöhnlich". Sun hätte keinen unmittelbaren und "irreparablen" Schaden nachweisen können, damit entfalle eine der Voraussetzungen für die einstweilige Verfügung.
Lloyd Day, Anwalt von Sun, stimmte zwar zu, dass der Fall "ungewöhnlich" sei, aber das sei er allein wegen Microsofts wettbewerbsfeindlichen Verhalten und "außergewöhnliche Fälle benötigen nun mal außergewöhnliche Entscheidungen".
Java auf allen Systemen
Java erlaubt es Programmierern, Software zu schreiben, die auf
beinahe allen Computern läuft, unabhängig vom Betriebssystem. Sun
hatte sich über Wettbewerbsverzerrung beklagt, weil Microsoft
Windows mit einer veralteten Java-Version ausliefert.
Windows muss sich Java öffnenDie Vorgeschichte
Anfang Jänner 2003 wurde Microsoft von Richter Frederick Motz dazu vergattert, Suns Java-Version in Windows einzubauen und eine eigene Java-Implementierung nicht mehr auszuliefern.
In seiner Begründung erklärte der Richter Konzern "MS setze sein PC-Monopol ein, um Marktbedingungen zu schaffen, die ihn unfair bevorteilen".
Sun hatte MS wegen Geschäftsschädigung auf mehr als eine Milliarde USD Schadenersatz verklagt. Microsoft hatte das Betriebssystem Windows XP im Oktober 2001 ohne Zugangsmöglichkeit für die Java-Software von Sun auf den Markt gebracht.
MS in der Offensive
Anfang Februar 2003 verlangte MS in einer Gegenklage wiederum
Anwaltsgebühren und Schadenersatz aufgrund "unfairen Wettbewerbs"
von Sun. Sun soll über Java einen Vertrag mit Microsoft gebrochen
haben. "Die Schritte wurden mit voller Absicht gesetzt, um Microsoft
als Konkurrenz Schaden zuzufügen", so Microsoft in seinen
Ausführungen.
Microsoft verklagt Sun
