Mail-Verkehr zeigt Firmenstruktur
Anhand der Muster und Verbindungen des E-Mail-Verkehrs kann eine neue Technik schnell und zuverlässig Gesellschaftsstrukturen und Schlüsselpersonen in den gebildeten Communities identifizieren.
Dieser Ansatz könnte bedeuten, dass sich Kriminelle selbst verraten, sogar wenn sie in Codes miteinander kommunizieren oder einfach nur über das Wetter plaudern.
"Würde die CIA oder eine andere Behörde viele E-Mails von Verdächtigen abfangen, könnte man unsere Technik dazu gebrauchen, den Kopf des Verbrechernetzes herauszufinden," erklärt Joshua Tyler, Forscher in den HP-Labs in Palo Alto. Zumindest wüsste man, wer aller im Zentrum des Geschehens stehe und könnte so Prioritäten bei den Ermittlungen setzen.
Analyse der Absender- und Empfänger-Infos
Tyler und seine Kollegen Dennis Wilkinson und Bernardo Huberman
analysierten für ihre Arbeit über zwei Monate 185.773 Nachrichten
aus dem E-Mail-Verkehr von 485 Mitarbeitern der HP-Labs. Dazu
benötigten sie lediglich die Informationen über Absender und
Adressat, die im Mail-Header abgelegt sind. Der Inhalt der
Nachrichten blieb unangetastet.
Die ForschungsarbeitZuordnung in Gruppen möglich
Sie stellten die Verbindungen zwischen Personen, die einander mehr als 30 Mails geschickt hatten, grafisch dar. Dies ergab 1.110 Links zwischen 367 Personen.
Bei einem Netzwerk dieser Größe und Komplexität reicht die grafische Darstellung allein nicht mehr aus, um die genaue Struktur einer Gruppe auszulesen.
Daher benutzten die Forscher einen Computer-Algorithmus, der nach den entscheidenden Bindegliedern zwischen den einzelnen Personengruppen Ausschau hielt. Indem diese Bindeglieder herausgepickt wurden, blieben schließlich nur noch die Gruppen übrig.
Um sicherzugehen, dass das Isolieren der Bindeglieder nicht das Gesamtbild verzerrt, wurde dieser Prozess 50 Mal wiederholt und jedesmal wurde mit einer anderen Verbindung begonnen. Die meisten Mitarbeiter tauchten aber jedesmal in derselben Gruppe auf. Nur wem in der Analyse öfter als vier Mal eine andere Zugehörigkeit zugewiesen wurde, wurde aus der Gruppe exkludiert.
Zwei Drittel der Unternehmen beantworten Anfragen nicht
Auch wenn innerhalb einer Firma meist reger Mailverkehr herrscht,
bedeutet das nicht, dass auch externe Anfragen zuverlässig
beanwortet werden. Eine aktuelle Studie ergab, dass zwei Drittel der
deutschen Unternehmen nicht auf einfache Fragen per E-Mail
antworten. Auch unter der Minderheit der antwortenden Unternehmen
erfolgten die Reaktionen zu spät, unvollständig oder sogar
unfreundlich.
Firmen beantworten E-Mails nichtAuch Führungskräfte identifiziert
Die Analyse entdeckte 66 verschiedene Gruppen innerhalb des Unternehmens. Verglich man diese Mail-Communities mit der Unternehmenstruktur zeigte sich, dass 49 der Gruppen aus Personen bestanden, die miteinander in einer Abteilung arbeiteten. Bei den meisten anderen Gruppen arbeitete man zusammen an einem Projekt.
In einer zweiten Untersuchung wurde versucht, die Führungskräfte des Unternehmens zu eruieren. Es zeigte sich schnell, dass die Manager, inklusive des Chefs, meist in der Mitte der Darstellung zu finden sind. Sie weisen die höchste Rate an verschiedensten Kontakten innerhalb der Organisation auf.
Das Modell ist durchaus auch als Ansatz zur Aufdeckung von Strukturen innerhalb von organisertem Verbrechen anwendbar. Würde man den globalen E.Mail-Verkehr überwachen und analysieren, würden sich schnell Verknüpfungen offenbaren. Auch bei Handygesprächen ist diese Vergehensweise denkbar.
Doch noch ist die Technik nicht alltagstauglich und auch berechtigte Datenschutzbedenken werden eine flächendeckende Anwendung wohl verhindern.
