Radio-Zensur treibt Musiker ins Netz
In den USA geht eine wachsende Zahl von Rock- und Popmusikern mit musikalischen Protesten gegen den Irak-Krieg ins Netz. In den Programmen der US-Radios haben die Künstler nämlich zurzeit kaum eine Chance, mit ihren Songs gespielt zu werden.
US-Rocker Lenny Kravitz veröffentlichte am Dienstag gemeinsam mit dem irakischen Musical-Star Kadim al-Sahir seinen Song "We Want Peace" zum kostenlosen Download auf der Website von Rock the Vote.
Kravitz sagte, er habe sich für Rock the Vote entschieden, da sich die Organisation klar zur Meinungsfreiheit bekenne.
Der Rockmusiker hatte sich bereits zur Zeit des Golfkrieges 1991 für den Frieden eingesetzt, indem er zusammen mit anderen Stars John Lennons "Give Peace a Chance" aufnahm. Rock the Vote ist eine US-Organisation, die junge Leute zu politischem Engagement motivieren möchte.
Rock the VoteGratis-Downloads
In den vergangenen Wochen meldeten sich auch R.E.M, die Beastie Boys, John Mellencamp, Saul Williams, DJ Spooky, Billy Bragg [Großbritannien] und der frühere Sänger von Rage Against the Machine, Zack de la Rocha, mit Friedensliedern im Netz zu Wort, die sie in der Regel gratis zum Download anbieten.
Wenn sie sich in den USA Gehör verschaffen wollen, bleibt ihnen im Grunde nur dieser Weg: In den Programmen der großen Radiostationen sind solche Songs derzeit nicht gefragt.
"Anti-Kriegs-Lieder sind für Programmdirektoren in Kriegszeiten üblicherweise keine populäre Wahl", sagt Rich Meyer, Präsident der Firma Mediabase, einem Ableger des US-Radiosenders Premiere.
"Programmdirektoren folgen den Vorgaben ihrer Hörer. In diesem Fall stehen zwei Drittel der amerikanischen Öffentlichkeit hinter dem Krieg. Es kann für die Sender gefährlich sein, aus der Reihe zu tanzen und sich dagegen zu stellen."
Zack de la RochaIm Radio abgestraft
Meinungsumfragen zufolge unterstützen derzeit zwei Drittel der US-Amerikaner den Militärschlag gegen den Irak. Musiker, die sich gegen die Mehrheitsmeinung stellen, haben es momentan daher nicht leicht.
Das mussten etwa die Dixie Chicks, Superstars der in den USA sehr beliebten Country-Music, Anfang dieses Monats feststellen. Nachdem sie die Irak-Politik von US-Präsident George W. Bush offen kritisiert hatten, war ihre Musik in den Radios fast um ein Drittel weniger häufig zu hören als zuvor.
Allerdings konnten auch die Kriegsgegner einen kleinen Erfolg verzeichnen: "Peacekeeper", die neue Single von Fleetwood Mac, schaffte es kürzlich vom Start weg auf Platz 93 der Charts. Andere Künstler sind unterdessen bemüht, sich aus der Kontroverse herauszuhalten.
Madonna ohne Protest nicht gratis
Der Sprecher von Madonna betonte unterdessen, dass ihr Song
"American Life" nicht gegen den Krieg gerichtet oder in anderer
Weise politisch sei. Zu dem Song gibt es ein umstrittenes Video. Es
zeigt Madonna im militärischen Tarnanzug. Während sie mit Granaten
wirft, ziehen Bilder von Modeschauen, Soldaten und blutenden Babys
vorbei.
Anti-Kriegs-Song online veröffentlicht
