26.03.2003

IRAK-KRIEG

Bildquelle: waldt

Radio-Zensur treibt Musiker ins Netz

In den USA geht eine wachsende Zahl von Rock- und Popmusikern mit musikalischen Protesten gegen den Irak-Krieg ins Netz. In den Programmen der US-Radios haben die Künstler nämlich zurzeit kaum eine Chance, mit ihren Songs gespielt zu werden.

US-Rocker Lenny Kravitz veröffentlichte am Dienstag gemeinsam mit dem irakischen Musical-Star Kadim al-Sahir seinen Song "We Want Peace" zum kostenlosen Download auf der Website von Rock the Vote.

Kravitz sagte, er habe sich für Rock the Vote entschieden, da sich die Organisation klar zur Meinungsfreiheit bekenne.

Gratis-Downloads

In den vergangenen Wochen meldeten sich auch R.E.M, die Beastie Boys, John Mellencamp, Saul Williams, DJ Spooky, Billy Bragg [Großbritannien] und der frühere Sänger von Rage Against the Machine, Zack de la Rocha, mit Friedensliedern im Netz zu Wort, die sie in der Regel gratis zum Download anbieten.

Wenn sie sich in den USA Gehör verschaffen wollen, bleibt ihnen im Grunde nur dieser Weg: In den Programmen der großen Radiostationen sind solche Songs derzeit nicht gefragt.

"Anti-Kriegs-Lieder sind für Programmdirektoren in Kriegszeiten üblicherweise keine populäre Wahl", sagt Rich Meyer, Präsident der Firma Mediabase, einem Ableger des US-Radiosenders Premiere.

Im Radio abgestraft

Meinungsumfragen zufolge unterstützen derzeit zwei Drittel der US-Amerikaner den Militärschlag gegen den Irak. Musiker, die sich gegen die Mehrheitsmeinung stellen, haben es momentan daher nicht leicht.

Das mussten etwa die Dixie Chicks, Superstars der in den USA sehr beliebten Country-Music, Anfang dieses Monats feststellen. Nachdem sie die Irak-Politik von US-Präsident George W. Bush offen kritisiert hatten, war ihre Musik in den Radios fast um ein Drittel weniger häufig zu hören als zuvor.

Allerdings konnten auch die Kriegsgegner einen kleinen Erfolg verzeichnen: "Peacekeeper", die neue Single von Fleetwood Mac, schaffte es kürzlich vom Start weg auf Platz 93 der Charts. Andere Künstler sind unterdessen bemüht, sich aus der Kontroverse herauszuhalten.