Bertelsmann steigert Gewinn markant
Trotz der Flaute auf den Medienmärkten hat Europas größter Medienkonzern Bertelsmann im vergangenen Jahr kräftig Gewinn gemacht. Das operative Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Firmenwertabschreibungen betrug 936 Mio. Euro - ein Plus von mehr als 60 Prozent.
Möglich wurde das unter anderem dadurch, dass Verlust bringende Internet-Geschäfte abgestoßen wurden.
Der weltweite Umsatz ging dagegen um 3,5 Prozent auf 18,3 Mrd. Euro zurück. Als Ziel für das laufende Jahr gab der neue Vorstandschef Gunter Thielen "deutlich steigende Erträge" bei stabilem Umsatz aus.
In seiner ersten Bilanzpressekonferenz als Konzernchef ging Thielen auch auf interne Führungsprobleme bei Bertelsmann ein. Berichte, wonach die Eigentümerfamilie Mohn wieder mehr Einfluss aufs operative Geschäft haben wolle, wies er zurück. Er dementierte auch Informationen des "Handelsblatts" vom Dienstag, wonach Aufsichtsratschef Gerd Schulte-Hillen auf Druck der Familie Mohn abgelöst werden solle. Als Nachfolger von Thomas Middelhoff steht Thielen seit acht Monaten an der Spitze des Bertelsmann-Konzerns.
Die Demontage der Internet-"Visionäre""Internet-Strategie neu definiert"
"Wir haben ein sehr gutes Ergebnis erreicht, weil wir die Kräfte auf die Kerngeschäfte konzentriert, die Verlustquellen reduziert und die Ertragskraft markant gesteigert haben", sagte Thielen.
Dazu habe Bertelsmann die "Internet-Strategie neu definiert". "Wir konzentrieren uns auf Geschäfte, die unser Kerngeschäft ergänzen." Die Internet-Verluste im vergangenen Jahr bezifferte Finanzvorstand Siegfried Luther auf 138 Mio. Euro [2001: minus 808 Mio. Euro].
Größter Umsatzbringer war 2002 die Sendergruppe RTL mit 4,3 Mrd. Euro, einem Anteil von fast 25 Prozent. Es folgten die Druckereien [Arvato], der Zeitschriftenverlag Gruner & Jahr, die Musikgruppe BMG und die Buchclubs [Direct Group] sowie der Buchverlag Random House und der zum Verkauf stehende Fachverlag BertelsmannSpringer.
Mit Ausnahme der Buchclubs schrieben alle Geschäftsbereiche schwarze Zahlen. Bei BMG denkt Bertelsmann über Allianzen mit anderen Musik-Majors nach.
Die Nettoverschuldung von Bertelsmann liegt derzeit bei 2,7 Mrd. Euro - im Vergleich mit anderen Medienkonzernen ein relativ niedriger Wert. Auf eine genaue Prognose für das laufende Jahr legte sich der Bertelsmann-Vorstand nicht fest. Thielen begründete das unter anderem mit dem Irak-Krieg.
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