Wiener kopierte Windows XP im großen Stil

klagen
17.11.2006

"Von irgendetwas muss man ja leben"

Ein Wiener, der seinen Lebensunterhalt mit "Raubkopien" finanziert haben soll, beschäftigt seit acht Jahren die österreichischen Gerichte.

Bereits 1998 soll er mit illegalen Kopien von Spielen und Programmen begonnen haben. Nach einer außergerichtlichen Einigung und einer Verurteilung wegen Betruges und Urkundenfälschung hat ihn der Softwarehersteller Microsoft geklagt, weil er in einer extra dafür angemieteten Wohnung mehr als 6.500 Raubkopien - darunter Windows XP Professional - hergestellt haben soll.

Ein Leben als "U-Boot"

Der 44-Jährige hat nach der Anzeige von Microsoft im Jahr 2002 laut Richter Peter Liebetreu eine Zeit lang als "U-Boot" gelebt und war daher für das Gericht nicht greifbar.

Auch bei einem neuerlichen Termin am Freitag ist der Mann nicht erschienen. Die Verhandlung wurde nun auf unbestimmte Zeit vertagt. Es folgte aber der Beschluss, dass der Beschuldigte das nächste Mal polizeilich vorgeführt wird.

Obwohl der Anteil an nicht lizenzierter Software in Österreich mit 26 Prozent europaweit immer noch am geringsten ist, rechnet die BSA für heuer mit einem leichten Anstieg der Rate.

"Von irgendetwas muss man ja leben"

In der Wohnung auf dem Wienerberg, die extra für die Produktion der CDs angemietet wurde, waren nach einer Hausdurchsuchung mehr als 6.500 Raubkopien gefunden worden. Drei Computer, die miteinander vernetzt waren, kopierten Tag und Nacht.

Der Mann ist nach Angaben von Richter Liebetreu grundsätzlich geständig. "Von irgendetwas muss man ja leben", sagte er einmal in einer Einvernahme.

56.000 Euro Schadenersatz

Draufgekommen war man dem mutmaßlichen Raubkopierer, weil er sein Angebot in einer Anzeigenzeitung inseriert hatte. Microsoft-Mitarbeiter arrangierten dann einen Testkauf - für 25 Euro. Das Originalprogramm kostetet damals 65 Euro. Microsoft erhofft sich mit der Klage einen Schadenersatzanspruch von 56.000 Euro.

(APA)