© ORF.at, Sony Vaio P

Vaio P: An den Grenzen der Nutzbarkeit

MASCHINEN
23.01.2009

Mit dem Vaio P hat Sony nun ebenfalls ein Mini-Notebook nach Art der Netbooks auf den Markt gebracht. Auch wenn das Vaio P kein Netbook sein will, zeigt es doch die Grenzen der Verkleinerung technischer Geräte bis hin zur Unbenutzbarkeit auf. Das Vaio P kriegt gerade noch die Kurve, nicht zuletzt durch seine Tastatur.

Auf den ersten Blick sieht Sonys Vaio P wie eine zu groß geratene PlayStation Portable, Sonys mobile Spielekonsole, aus. Auch als sehr überdimensioniertes Handy würde es wohl noch durchgehen, zumindest war das eine der gezeigten Reaktionen auf das Gerät.

Kein Wunder: Mit seinen Außenmaßen von 24,6 mal zwölf mal zwei Zentimeter und der glänzenden, perlweißen Oberfläche erinnert das Gerät nicht unbedingt an ein Notebook, sondern vielmehr an ein sehr durchgestyltes Gadget. Hübsch anzusehen ist es allemal, und mit seiner geringen Größe und seinem Gewicht von 638 Gramm dürfte es auch in fast jeder noch so überfüllten (Hand-)Tasche ein Plätzchen finden.

Notebook im Kleinstformat

Beim Aufklappen offenbart das Vaio P einen glänzenden Acht-Zoll-Monitor mit LED-Hintergrundbeleuchtung und einer effektiven Größe von 18,2 mal 8,7 Zentimeter sowie eine Tastatur mit 23 mal 8,7 Zentimeter. Das reicht, um ohne lange Gewöhnungszeit und ohne Krampfanfälle in den Fingern Texte schreiben zu können, wobei die rechte Shift-Taste ziemlich klein geraten und nur mit ein wenig Übung fehlerfrei zu treffen ist. Zwar biegt sich die Tastatur etwas durch, was aber beim Schreiben nicht sehr stört.

Der geringen Größe sind dafür das Touchpad und die Handballenauflage zum Opfer gefallen. Das Touchpad wird durch einen Trackpoint, also einen Mini-Joystick in der Tastatur, sowie durch eine dritte Maustaste zum Scrollen kompensiert, was für Ungeübte etwas gewöhnungsbedürftig ist, seinen Zweck aber grundsätzlich erfüllt. Die fehlende Handballenauflage stört vor allem beim Einsatz abseits ebener Abstellflächen.

Die Ausstattung:

Neben einer 60-GB-Festplatte, zwei GB Arbeitsspeicher sowie WLAN (Draft n) sind beim Vaio P auch noch GPS und WWAN (3G mit 7,2 MBit/S Download, zwei MBit Upload) verfügbar.

An Anschlüssen sind zwei USB-Ports, ein Anschluss für den externen Ethernet/Monitor-Adapter und eine Buchse für den Kopfhörer vorhanden. Speicherkarten können im SD- oder in Sonys eigenem Memorycard-Format gelesen werden. Das Mikrophon wurde an der linken unteren Ecke über dem WLAN-Schalter platziert. Eine Webcam und Bluetooth sind ebenfalls integriert.

Windows Vista als Bremsklotz

Auf dem getesteten Vorserienmodell ist Windows Vista Home als Betriebssystem installiert, das den verbauten Atomprozessor Z520 (1,33 GHz) allerdings an seine Leistungsgrenzen bringt - produktives Arbeiten ist damit nur schwer möglich, außer man will die Zeitverzögerungen als kreative Pausen nutzen. Laut Sony Österreich wird das Vaio P auch nur mit Vista Home Premium ausgeliefert, was ein offizielles Downgrade auf XP ausschließt. Auch wird Sony für XP keine Treiber zur Verfügung stellen.

Abseits davon würde das Vaio P mit seinen Hardware-Merkmalen ohnedies nicht in die strengen Anforderungen für eine Netbook-XP-Lizenz (unter anderem maximal ein GB Arbeitsspeicher ab Werk) fallen.

Windows 7 bringt mehr Leistung

Da laut Sony an der Leistung und Feinabstimmung der CPU noch gefeilt wird, könnten sich die Leistungswerte unter Windows Vista noch verbessern. Klar ist aber, dass Windows 7 als Betriebssystem - und das nicht nur auf dem Vaio P - für diese Hardware-Konstellation deutlich besser geeignet ist, was sich mit einer Testinstallation der Beta auch beweisen ließ. Unter Windows 7 wurden Fenster deutlich schneller aufgebaut und Befehle rascher umgesetzt. Es bleibt abzuwarten, was beide in ihrer jeweils finalen Version gemeinsam leisten können.

Für den schnellen Zugang zu Internet, Bildern, Videos und Musik bietet Sony weiters eine abgespeckte Variante seines XrossMediaBar auf Linux-Basis, der auch bei der PS3 und PSP zum Einsatz kommt, als Schnellstartoption an. Diese Möglichkeit ist zwar optisch weniger ansprechend, mit rund 20 Sekunden Startzeit dafür deutlich schneller als alle anderen getesteten Optionen.

Monitor im XL-Breitformat

Wirklich herausragend ist die Bildschirmauflösung des Vaio P mit seinen 1.600 mal 768 Pixel, die aber gleichzeitig auch die Grenzen der geringen Gesamtgröße aufzeigt. Zwar lassen sich damit deutlich mehr Inhalte auf dem Desktop als auf anderen Kleinst-Notebooks anzeigen, im Dauereinsatz ermüden die Augen aufgrund der geringen effektiven Größe der Inhalte auf dem kleinen Schirm aber schneller.

In Kombination mit der fehlenden Handballenauflage und der geringen Größe ist das Vaio P somit auch nicht unbedingt dazu geeignet, um damit auf Konferenzen mitzutippen, da es auf den Oberschenkeln gelagert zu leicht nach hinten kippt. Die 2,5-Stunden-Akkuleistung (Vierzellenakku) reicht ohnehin nur für einen halben Vormittag.

Andere Vertreter der Kleinstfraktion wie Dells Mini 9 und Toshibas Netbook können mit ihrem Formfaktor theoretisch besser punkten, allerdings mit dem Nachteil, dass die Tasten der jeweiligen Tastatur deutlich kleiner sind als bei Sonys Gerät und der vermeintliche Komfortgewinn somit wieder dahin ist.

Die Tastatur des Vaio P ist rund 1,5 Zentimeter schmäler als etwa jene des aktuellen Netbook-Primus Samsung NC10, durch die relative Größe der Tasten aber noch ausreichend im nutzbaren Bereich. Netbooks der Sieben- bis Neun-Zoll-Klasse können da nicht mithalten.

In Summe zeigt das Vaio P die Grenzen der möglichen Miniaturisierung von mobilen Rechnern auf - gerade noch im Rahmen der Nutzbarkeit, aber bereits hart an der Grenze. Natürlich lassen sich jederzeit Schriften größer und die Auflösung niedriger einstellen, damit wäre aber auch der Platzgewinn auf dem Desktop durch die tatsächlich mögliche Auflösung dahin. Es hat einen Grund, warum mit steigender Auflösung auch die Monitore größer werden.

Auch wenn das Vaio P kein Netbook sein soll - ein echtes Notebook ist es auch nicht, Lifestyle-Faktor hin oder her. Mit seinem Preis von 999 Euro spielt es ohnehin in einer ganz eigenen Liga und wird damit wohl nur selten abseits von Bürogebäuden und VIP-Lounges anzutreffen sein.

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(futurezone/Nadja Igler)