MP3-Nachfolger mit Kopierschutz
Das Audio-Kompressionsverfahren MP3 treibt die Plattenbosse seit Jahren zur Verzweiflung.
Auf der Cebit sind nun noch leistungsstärkere Nachfolger präsentiert worden, mit denen Audiostücke ohne hörbaren Klangverlust bei deutlich weniger Platzbedarf komprimiert werden können.
Das gilt als Voraussetzung für die Übertragung von Musik auf die neuen Multimedia-Handys. Gleichzeitig sollen die Formate dem bisher eher zahnlosen Kopierschutz auf die Sprünge helfen und Verstöße gegen das Urheberrecht unterbinden.
MP3 hat das Netz de facto im Sturm erobert: Egal, ob Hits von Robbie Williams oder Opern von Verdi, die Technik verkleinert die Datenmenge auf bis zu ein Zehntel ihrer Ursprungsgröße. Derart komprimiert, lassen sich Musiktitel in entsprechend geringer Zeit aus dem Netz herunterladen.
MP3Gewinneinbußen durch MP3
Die Musikindustrie klagt bereits seit längerem über Milliardeneinbußen, die ihrer Meinung nach vor allem durch das uneingeschränkte Tauschen über P2P-Börsen und dadurch resultierende geringere Plattenverkäufe entstehen.
Das Fraunhofer Institut, Entwickler des MP3-Formats, hat den Standard MP3 Plus entwickelt. Die Dateien kommen mit einem Datenstrom von 96 Kilobit pro Sekunde oder weniger aus, das alte Format benötigte 128 KBit/s, um CD-Qualität zu erreichen.
Digitale Signatur gegen illegale Kopien
Um Raubkopien im Netz zu verhindern, sind die Dateien mittels
Signatur verfolgbar. "Wir lassen dem Nutzer alle Freiheiten. Durch
die Signatur geben wir aber den Musikkonzernen die Möglichkeit, die
Datenbanken gezielt nach Raubkopien zu durchsuchen", so ein
Fraunhofer-Sprecher.
Fraunhofer InstitutDRM bei Microsofts WMA
Einen Schritt weiter geht Microsoft. Der Softwarekonzern nutzt bei der 9. Version seines WMA [Windows Media Audio] ein Verfahren, das den Anti-Kopier-Wünschen der Musikbranche schon sehr nahe kommt.
Die Audio-Inhalte werden mit Digital Rights Management geschützt. "Damit kann das Label festlegen, dass der User zum Beispiel den Titel einen Monat lang beliebig oft auf seinem PC abspielen kann, aber maximal nur zwei Mal auf CD brennen darf", erklärt ein Microsoft-Experte.
Der Umsatzblues der Industrie
Das freut vor allem die Musiklabels, die jenen Usern den Kampf
angesagt haben, die MP3s aus dem Netz herunterladen.
Musik wird öfter gebrannt als gekauftWeitere Formate
Einig sind sich die auf der Cebit versammelten Anbieter, dass bei der Kompression das Ende der Fahnenstange aber noch nicht erreicht ist. Das AAC-Format [Advanced Audio Coding] ist beispielsweise um bis zu 30 Prozent effektiver als MP3. Zudem spielt der Kopierschutz bei dem Format ebenfalls eine tragende Rolle.
Doch "gewonnen" ist die Schlacht damit noch nicht. Denn im Netz gibt es bereits weitere starke Open-Source-Audio-Kompressionstechniken wie Ogg Vorbis und Triple S-sss.
