Musik wird öfter gebrannt als gekauft
Die deutsche Musikindustrie hat ein Viertel ihres Marktes eingebüßt, seitdem CDs mit einem Computer kopiert werden können. In den vergangenen beiden Jahren beschleunigte sich der Abschwung nochmals.
"Wir haben zum zweiten Mal ein zweistelliges Minus", sagte Gerd Gebhardt, der Vorsitzende der deutschen Phonoverbände [IFPI]. "Das geht uns an den Lebensnerv."
Die Umsätze der Branche reduzierten sich im vergangenen Jahr um 11,3 Prozent. Wurden im Jahr 1997 noch 2,59 Milliarden Euro mit Musik umgesetzt, so waren es 2002 nur noch 1,97 Milliarden Euro.
"Mit Glück bleibt das Minus 2003 einstellig"
Zumindest im laufenden Jahr erwartet die Musikindustrie keine
durchgreifende Besserung ihrer Lage. "Wenn wir Glück haben, bleibt
das Minus einstellig", sagte Gebhardt.
IFPIProfi-Management verhindert Pleiten
Dass spektakuläre Pleiten in der Branche bisher ausgeblieben sind, sei auf das professionelle Management der Firmen zurückzuführen. Es sei allerdings schwer, unter den aktuellen Bedingungen schwarze Zahlen zu schreiben.
"Das ist nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein kulturelles Problem", sagte Gebhardt.
Unter den Zwängen sinkender Umsätze und Erträge könnten viele Firmen die Mittel nicht mehr aufbringen, um die Produktionen neuer und unbekannter Künstler zu finanzieren.
Chinas Musikindustrie als Vorreiter
In China hat das anhaltend hohe Raubkopie-Problem die
Arbeitsweise der Musikindustrie bereits grundsätzlich verändert.
Nicht an CD-Verkäufen wird verdient, Werbeverträge und lange
Tourneen bringen den chinesischen Popstars Geld ein. Die
Plattenlabels managen unterdessen gegen prozentuelle Beteiligung am
Gewinn jeden Werbeaspekt der Musikerkarriere.
Chinas Popstars lernen mit Piraten zu lebenMusik wird öfter gebrannt als gekauft
Auch in den anderen großen Industrieländern gehen die Umsätze der Musikbranche zurück.
"Die Entwicklung verläuft jeweils parallel zur Verbreitung der CD-Brenner", sagte Verbands-Geschäftsführer Peter Zombik.
In Deutschland verkaufte die Branche rund 166 Millionen CD-Alben, sechs Millionen weniger als im Jahr zuvor.
Gleichzeitig wurden 486 Millionen unbespielte CD-Rohlinge verkauft, von denen nach Schätzungen 267 Millionen mit Musik bespielt wurden. Das sind rund 100 Millionen mehr, als reguläre Musik-CDs gekauft wurden.
"Musik ist gefragt wie nie zuvor", sagte Gebhard. "Leider wird immer seltener dafür bezahlt."
Gemeinsames deutsches Webportal für Musik
Im ersten Halbjahr 2003 will die deutsche Musikindustrie eine
Gemeinschaftsplattform im Internet einrichten, bei der Musikstücke
legal gegen Bezahlung heruntergeladen werden können.
Musikindustrie lockt mit Gratis-DownloadsKopieren wird Geheimsache
Ihre Hoffnungen setzt die Branche nun auf die Novelle des Urheberrechts, die gegenwärtig in Berlin vorbereitet wird.
Dann hätte die Musikwirtschaft eine Handhabe gegen Hersteller von Kopier- Software sowie Zeitschriften, die Anleitungen zum Umgehen des Kopierschutzes veröffentlichen.
Die Copyright-Richtlinie der Europäischen Union wurde in meisten Mitgliedsländern nicht fristgerecht umgesetzt. Zum Stichtag [22.12.02] hatten nur zwei der 15 Länder die teils heftig umstrittene Richtlinie in nationales Recht umgesetzt [Dänemark und Griechenland].
Digitales EU-Copyright kommt später
