22.02.2003

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Bildquelle: Sony

Popstars lernen mit Piraten zu leben

Sein blendendes Aussehen und seine zuckersüßen Schnulzensongs haben ihn zu einem Idol von Millionen chinesischen Teenagern gemacht, doch bei einer Promotion-Party für sein neues Album zeigte sich der normalerweise zurückhaltende Popstar Lee Hom Wang von einer anderen Seite, zückte ein Schwert und schlug damit eine überdimensionale CD mit dem chinesischen Symbol für "Diebstahl" entzwei.

"Die Piraten haben es bereits geschafft, die chinesische Musikindustrie zu töten," so Wang. "Das frustiert mich und zerstört die kreative Zukunft des Landes."

Dies mag zwar etwas übertrieben sein, doch die Plattenlabels bestätigen, dass das anhaltend hohe Raubkopie-Problem die Arbeitsweise der Musikindustrie in China grundsätzlich verändert hat. Wang und die anderen Popstars wurden dazu gezwungen ihren Lebensstil und ihre Arbeitsweise komplett umzustellen.

"Der finanzielle Effekt ist der gleiche"

"Es gibt kein Einkommen durch Tantiemen, die Künstler in China nehmen einzelne Songs für das Radio auf, statt Alben für die Konsumenten zu produzieren," erklärt Lachie Rutherford, Asia-Pazifik-Präsident von Warner Music. "Die Stars müssen sich ihren Rockstar-Lifestyle irgendwie anders finanzieren."

Die Musikindustrie sieht auch in Europa und den USA schon erste Anzeichen für ein solches Problem, da die steigende Internet-Piraterie sich bereits in sinkenden CD-Verkäufen niederschlägt.

"Der finanzielle Effekt ist der gleiche, egal ob sich die Leute nun wie in China Raubkopien um einen Dollar oder wie in Euopa kostenlos ein Lied aus einer Tauschbörse holen," warnt Jay Berman, Chef der International Federation of the Phonographic Industry [IFPI]. "Die Plattenlabels müssen nicht nur die Piraterie bekämpfen sondern auch alternative Einnahmequellen entwickeln."

Die Piraterie hat internationale Plattenfirmen dazu gezwungen, im bevölkerungsreichsten Land der Welt klassische Plattenverträge aufzugeben, die Entwicklung herkömmlicher Distributionskanäle fallen zu lassen und jede Möglichkeit von Charts, die auf Verkaufszahlen basieren, auszuschließen.

Raubkopien um 60 Cent

"In den USA und in Europa haben es die Musiker leicht, einen Hit zu landen," beschwert sich auch die populäre Sängerin Han Hong. "Wir hier in China müssen so oft Konzerte geben, wir haben keine Zeit unsere Stimmen zu schonen."

Um ihre CDs besser zu verkaufen, hat Hong den Preis von 70 Yuan [7,9 Euro] mittlerweile auf 15 Yuan [1,7 Euro] gesenkt. Raubkopien sind schon für fünf Yuan [60 Euro-Cent] zu haben.

"Man kann die Piraterie nicht bekämpfen, deswegen versuchen wir uns einfach anzupassen," so Hong.

Für Lee Hom Wang bedeutet dies unzählige Werbeauftritte und Konzerte. "Bis sie eines Tages auch meinen Körper raubkopiert haben, kann ich mich auf diese Auftritte noch verlassen," witzelt Wong. "Ich sehe CDs eigentlich nur noch als Promotion-Tool."

Auch die Konzerte gleichen kleinen Werbespektakeln, bei denen Großsponsoren die Kosten übernehmen und die Tickets verschenken.

Ein Werbevertrag mit Hangzhou Wahaha, einem Hersteller von Wasser in Flaschen in China, sicherte Wang ein gutes Einkommen.

Labels regeln alle Werbeverträge der Künstler

Statt nur das Album der Künstler zu promoten, regeln die Labels in China inzwischen jeden Aspekt der Musiker-Karriere. Gegen prozentuelle Beteiligung werden alle Werbeevents und Produktverträge organisiert.

Die Produktionskosten eines Songs werden oft auch bereits im vorhinein über Werbeverträge finanziert.

So schrieb der Sänger Pu Shu den Titelsong "Out of Your Window" zum Launch von Windows XP. Microsoft bezahlte die Produktion des Albums und jeden Auftritt bei MS-Werbeveranstaltungen.

Epson hat einen Vertrag mit der Sängerin und Schauspielerin Zhou Xun unterzeichnet. Ihr Lied wird zum Bewerben von Farb-Tintenstrahldruckern verwendet, dafür wurde ein aufwendiges Musikvideo auf Kosten von Epson gedreht.