Fotohandys gegen Hautkrebs
An der Universitätsklinik Graz wird seit Jahren im Bereich der Teledermatologie geforscht. Ärzte bzw. Patienten dokumentieren Veränderungen des Hautbilds mit Handykameras - internationale Experten stellen dann ihre Diagnose.
Während in manchen Arztpraxen das E-Card-Lesegerät noch zu den modernsten Anschaffungen zählt, spielt die Technik in vielen Bereichen der Medizin bereits eine sehr wichtige Rolle.
An der Medizinischen Universität Graz werden etwa bereits seit 2003 Studien zur Teledermatologie durchgeführt: Dabei werden mit Handys Fotos von Hautveränderungen an Experten aus aller Welt geschickt und auf diese Weise diskutiert und diagnostiziert.
Patienten machen Fotos selber
Bisher wurden in vier Studien rund 300 Personen untersucht. Die Treffsicherheit lag zwischen 70 und 90 Prozent, je nach Technologiefortschritt der Handys und Erfahrungsstand der Beurteilenden.
In der letzten Studie machten bereits Patienten selbst oder ihre Angehörigen Fotos. Die Diagnose wurde dann mit Dermatologie-Fachärzten aus aller Welt abgeklärt. Hier gab es eine Treffsicherheit von über 90 Prozent.
Handykamera ab 1,3 Megapixel
"Die Dermatologie ist geradezu prädestiniert für bildgebende Diagnostikverfahren. Durch die enorme Weiterentwicklung der Kommunikationstechnologien in den letzten Jahren benötigt man mittlerweile nicht mehr aufwendige Tools. Profunde Diagnosen können mit gängigen Handys ab 1,3 Millionen Pixel erstellt werden", erklärt Peter Soyer von der Universitätsklinik für Dermatologie.
Während hier das Handy bei der Diagnose hilft, wird es andernorts als Krankmacher verurteilt: Österreichische Umweltmediziner fordern nun von Handyherstellern, dass sie ihre Geräte offen mit SAR-Werten kennzeichnen. Diese geben Auskunft darüber, wie viel elektromagnetische Strahlung ein Mobiltelefon an seinen Benutzer abgibt.
Rahmenbedingungen schaffen
Der Mediziner ist überzeugt davon, dass Teledermatologie in Zukunft eine wichtige Ergänzung zur klinischen Visite werden wird, sobald die Grauzonen beseitigt sind: "Es funktioniert, aber die rechtlichen und kommerziellen Rahmenbedingungen sind noch absolut unklar."
Kongress in Graz
Die Zukunft der Methode ist auch Thema des am Donnerstag startenden "Teledermatology"-Kongresses in Graz. An der Veranstaltung werden rund 150 Experten aus 33 Ländern - darunter Australien, Kolumbien, Pakistan, USA, China, Russland - teilnehmen.
Die Grazer Klinik ist neben der Diagnoseerfahrung mit digitaler Bildverarbeitung insbesondere auf dem Gebiet der Auflichtmikroskopie, einer nicht invasiven Methode der Melanom-Diagnostik, international anerkannt.
(futurezone | APA)
