Ärzte fordern Handy-Kennzeichnung

13.09.2006

Österreichische Umweltmediziner fordern von Handyherstellern, dass sie ihre Geräte offen mit SAR-Werten kennzeichnen. Diese geben Auskunft darüber, wie viel elektromagnetische Strahlung ein Mobiltelefon an seinen Benutzer abgibt.

"Unsere Kinder dürfen keine Versuchskaninchen sein", meinte der Referent für Umweltmedizin der Ärztekammer Wien, Erik Huber, bei einer Podiumsdiskussion am Dienstagabend. Gerade Kinder seien mittlerweile die Hauptzielgruppe der Telekom-Industrie.

"Wenn wir Medikamente auf den Markt bringen, untersuchen wir auch vorher ihre Evidenz. Mit dem Mobilfunk hingegen verbreiten wir eine Technologie, deren Auswirkungen wir noch nicht wirklich kennen und die wir erst genauer untersuchen müssen", meinte Huber.

Der Mediziner forderte zudem die Beilage der von der Ärztekammer herausgegebenen Leitlinien ["10 medizinische Handyregeln"] beim Verkauf eines Handys. Außerdem sollte die Industrie vermehrt Forschungsmittel bereitstellen, um die Auswirkungen von Handystrahlen auf den Menschen zu erforschen.

"Gefährlich wie ein Sonnenbad"

Der Schutz von Kindern und Jugendlichen müsse absolute Priorität haben, "denn Mobiltelefone sind in etwa so gefährlich wie ein Sonnenbad". Kein Mensch würde heutzutage Kinder in die pralle Sonne ohne Schutzmaßnahmen lassen. "Ich will kein Handyverbot für Kinder", so Huber. Ihm gehe es vielmehr darum, Bewusstsein hinsichtlich des möglichen Risikos zu schaffen.

Stichwort: SAR-Wert

Der SAR-Wert [SAR= Spezifische Absorbtionsrate] gibt in W/kg an, wie viel elektromagnetische Strahlung bei stärkster Sendeleistung des Handys vom menschlichen Körper aufgenommen und in Wärme umgewandelt wird. Der SAR-Wert sollte möglichst gering sein. Laut EU-Norm EN 50361 darf der SAR-Wert bei in der EU vertriebenen Mobiltelefonen 2,0 W/kg nicht überschreiten. Die SAR-Werte sind den Gebrauchsanweisungen der Geräte beziehungsweise den Websites von Herstellern und Mobilfunkunternehmen zu entnehmen.

Auch Gerd Oberfeld, Umweltmedizin-Referent der Ärztekammer, meinte: "Die Schädigung der DNA mit der Folge eines erhöhtes Tumorrisikos durch Mobiltelefone ist auf allen wissenschaftlichen Nachweisebenen, von der Zelle über den Tierversuch und nun auch durch Beobachtungsstudien am Menschen, gegeben."

Hirntumorrisiko stark erhöht

Aktuelle Daten aus Schweden würden ein dreifach erhöhtes Hirntumorrisiko nach einer Handynutzungszeit von zehn Jahren zeigen. "Wir benötigen dringend eine entsprechende Aufklärung der Bevölkerung, Mobiltelefone nur für wichtige und dringende Gespräche zu verwenden", meinte Oberfeld.

(APA | futurezone)