04.03.2003

STILLE

Bildquelle: nsa

Lapidare Reaktionen auf "UNO-Gate"

Nachdem die britische Zeitung "The Observer" am Wochenende berichtete, dass die USA Telefonate und E-Mails von Delegierten noch unentschlossener UNO-Sicherheitsratsmitglieder angezapft haben sollen, blieben Reaktionen weitgehend aus.

Die US-Regierung verweigerte am Montag schlicht jegliche Stellungnahme, dementierte den Bericht allerdings somit auch nicht.

Aber auch die betroffenen Länder schweigen fast durchgehend zu der heiklen Causa oder geben nur lapidare Kommentare.

Lieber nicht fragen

In Deutschland sprach der SPD-Fraktionsvize und Außenpolitiker Gernot Erler lediglich von einer "wenig hilfreichen Maßnahme".

Eine offizielle Anfrage hält er unterdessen nicht für notwendig: "In erster Linie ist es Sache der betroffenen Staaten, bei den Vereinigten Staaten um Auskunft über den Vorgang zu bitten", sagte er dem Hamburger Magazin "Der Spiegel".

Dabei ignoriert Erler geflissentlich, dass in dem fraglichen Memo lediglich die USA und Großbritannien explizit von dem Lauschangriff ausgenommen werden.

Des Weiteren ist lediglich von einer "besonderen Anstrengungen" gegenüber den in der Irak-Frage unentschiedenen Ländern die Rede - womit deutsche Diplomaten "am Rande" sehr wohl auch im Visier der NSA sein könnten, natürlich immer vorausgesetzt, das Memo ist authentisch.

Ehre oder Selbstverständlichkeit

UNO-Sprecher Fred Eckhard sagte unterdessen ganz diplomatisch, dass seine Organisation bisher keine Bestätigung in der Sache durch einen Mitgliedsstatt erhalten habe.

Der russische UNO-Botschafter Sergey Lavrov findet den kolportierten Lauschangriff schlicht selbstverständlich als "Teil des Spiels".

Etwas aufgeregter, aber offensichtlich ebenfalls nicht sonderlich interessiert sagte schließlich der bulgarische Vetreter Stefan Tafrov, es sei eine "Ehre", abgehört zu werden, oder anders herum, es wäre ein Affront, nicht unter NSA-Beobachtung zu stehen.