20.02.2003

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Bildquelle: Nap

Bertelsmann wegen Napster verklagt

Der deutsche Bertelsmann-Konzern ist nach einem Pressebericht in den USA wegen seiner Beteiligung an der Musiktauschbörse Napster auf 17 Milliarden USD Schadenersatz verklagt worden.

Wie die "Los Angeles Times" am Donnerstag berichtete, reichten zwei Komponisten sowie zwei Musikverlage bei einem Bundesgericht in New York eine entsprechende Klage ein. Sie werfen Bertelsmann vor, Napster die massenhafte Verletzung von Urheberrechten ermöglicht zu haben.

Dem Bericht zufolge wird in der Anklage angeführt, dass ohne die Millioneninvestitionen von Bertelsmann die Musiktauschbörse schon früher Pleite gegangen wäre. Napster hatte im Juni vergangenen Jahres Konkurs angemeldet. Zuvor hatte der deutsche Konzern rund 90 Millionen USD in das Online-Unternehmen investiert.

Im Namen von 160.000 Komponisten

Geführt wird die Klage von den Komponisten Jerry Leiber und Mike Stoller, die Hits wie "Jailhouse Rock" und "Stand by me" geschrieben haben, sowie den Musikverlagen Frank Music und Peer International.

Sie hoffen, ihren Vorstoß zu einer Sammelklage im Namen von rund 160.000 Komponisten und deren Verlagen ausweiten zu können. Ähnliche Klagen waren zuvor bereits gegen Napster geführt worden. Zu einem Prozess kam es jedoch nie, weil die Firma in Konkurs ging.

Bertelsmann war unter seinem damaligen Chef Thomas Middelhoff im Oktober 2000 bei dem US-Unternehmen mit dem Ziel eingestiegen, die Gratis-Tauschbörse in ein kommerzielles Angebot umzubauen. Zuvor hatte Bertelsmann mit seiner eigenen Musiksparte BMG Napster massiv bekämpft. Das kostenlose Napster-Angebot blieb nach dem Einstieg noch acht Monate bestehen, bis es auf Betreiben der Musikindustrie Anfang Juli 2001 per Gerichtsbeschluss geschlossen wurde.