Ermahnung und Erfahrung vom Cyber-Cop
Mehr Verantwortungsbewusstsein der User fordert Klaus Mits, Abteilungsleiter für Cybercrime im Bundeskriminalamt [BKA], in einem Gespräch mit der APA: "Die Internet-Community wird immer größer. Man muss beim Umgang mit den persönlichen Daten bestimmte Regeln einhalten", betonte der Experte.
Die Ermittler unterteilen Cybercrime-Delikte in zwei Kategorien: Der eine Bereich umfasst jene Taten, bei denen IT-Medien als Mittel verwendet werden - zum Beispiel "Betrügereien und gefährliche Drohungen".
In der zweiten Kategorie geht es um Delikte, die von Computer zu Computer verwirklicht werden. Das betrifft Datenbeschädigungen und den betrügerischen Datenmissbrauch.
"Es gibt Programme, die gezielt nach Kreditkartennummern suchen. Eine Firewall schützt, und wenn sie doch durchbrochen wird, weiß man wenigstens, von wo die Attacke gekommen ist", sagte Mits. Mit der EU-"Convention on Cybercrime" wurden unautorisierte Zugriffe auf ein System unter Umgehung einer Schutzeinrichtung auch ohne Beschädigungen unter Strafe gestellt.
Verschärfte Gesetze gegen Hacker"Kreise, die einander aufstacheln"
Der größere Bereich bei Hackerattacken ist jedoch laut Mits die Zerstörung oder zumindest Beschädigung von Datensätzen.
Das Motiv der Täter ist dabei angeblich "Prestige": "Es gibt Kreise, die einander gegenseitig aufstacheln. Wir hatten zum Beispiel einen jungen Salzburger, der in einer Internet-Untergrundorganisation engagiert war. Durch die Schwierigkeit seiner Hackerattacken stieg er in der Hierarchie."
Viel Arbeit für die Cybercops
Die Arbeit nimmt für die Cybercrime-Ermittler laut Mits laufend zu: Im Jahr 2001 gab es demnach 106 Anzeigen wegen Datenbeschädigung oder betrügerischen Datenmissbrauchs.
Diese Zahl hat sich im Vorjahr weit mehr als verdoppelt, auch wenn der endgültige Wert noch nicht vorliegt. Die BKA-Dienststelle wurde im Jahr 2001 genau 58 Mal in Anspruch genommen, im Jahr 2002 rund 250 Mal.
Dieser Anstieg ist aber auch auf das Auffliegen der Kinderporno-Affäre im April des Vorjahres zurückzuführen. 60 Prozent des damals sichergestellten Materials sind nun ausgewertet. Da man nach forensischen Methoden vorgeht, bleiben die Daten auf den Originalrechnern unverändert. Das Material wird auf einen anderen PC gespielt und dort dann gesichtet. Mits: "Für einen Rechner benötigt man ungefähr fünf Arbeitstage. Und das auch nur, wenn die Daten nicht gelöscht und daher mühsam rekonstruiert werden müssen."
Die Arbeit der Wiener Internet-Polizei"Hacker verwischen ihre Spuren"
Für die Arbeit der Cyberkriminalisten ist laut Mits das Aufspüren von Kinderpornoringen allerdings "die eher leichtere Aufgabe". Dabei handle es sich meist um geschlossene Zirkel, die untereinander Daten austauschen würden. Gerät einer in das Visier der Ermittler, kommt man meist auch relativ leicht auf seine Mittäter.
"Hacker hingegen" würden sich bemühen, "ihre Spuren zu verwischen", aber ihre Urheberschaft durch ihre "Handschrift" beim Angriff zu dokumentieren.
Der Fahndungserfolg sei dabei oft eine Frage der verwendeten Mittel des Täters: Mits zufolge gibt es Verschlüsselungstechniken, "die so gut sind, dass sie in den USA nicht verkauft, geschweige denn exportiert werden". Bei der Verwendung solcher - zumindest äußerst teurer, zumeist aber unbeschaffbarer - Methoden hätten die Ermittler das Nachsehen.
Der private User finde dagegen mit "den gängigen Sicherheitsprogrammen im Normalfall" das Auslangen. Wichtig ist den Cyberkriminalisten vor allem die Information über die Risiken im Internet.
