Ex-Mannesmann-Manager vor Anklage
Ein Prozess in der Mannesmann-Affäre könnte einem "Spiegel"-Bericht zufolge bereits im Frühsommer beginnen: Nach der Anfang der Woche erwarteten Anklage werde das Landesgericht Düsseldorf möglicherweise noch in diesem Monat über deren Zulassung entscheiden, berichtete das Magazin.
Der Prozess gegen Deutsche-Bank-Vorstandssprecher Josef Ackermann, IG-Metall-Chef Klaus Zwickel und Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser könnte demnach im Frühsommer starten. Esser machte derweil deutlich, dass er sich unschuldig fühlt.
Schon zuvor war in Presseberichten die Rede davon, dass die Staatsanwaltschaft Düsseldorf Dienstag oder Mittwoch Anklage in der Affäre erheben wolle. Insgesamt ist demnach mit der Anklage gegen sechs Beschuldigte zu rechnen.
Den ehemaligen Managern und Aufsichtsräten von Mannesmann wird vorgeworfen, sich bei der Mannesmann-Übernahme durch Vodafone mit der Gewährung von Millionenabfindungen der Untreue und Beihilfe zur Untreue schuldig gemacht zu haben. Mannesmann und Vodafone hatten sich seit Herbst 1999 eine monatelange Übernahmeschlacht geliefert. Der Düsseldorfer Konzern hatte sich zunächst mit allen Mitteln gegen die als "feindlich" eingestufte Übernahme durch den britischen Konkurrenten gewehrt. Im Februar 2000 lenkte Mannesmann dann plötzlich ein und nahm das Übernahmeangebot an.
Vodafone übernimmt MannesmannEx-Chef fühlt sich unschuldig
Esser glaubt hingegen nicht, daß er wegen Bestechung angeklagt wird. "Der absurde Vorwurf der Käuflichkeit ist klar als falsch erwiesen und von der Staatsanwaltschaft seit Monaten aufgegeben", sagte Esser der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".
Er zeigte sich zudem sicher, daß die Staatsanwälte die teure Abwehrschlacht gegen die Übernahme durch Vodafone nicht als strafbare Untreue auslegen werden: "Der ursprüngliche Vorwurf der Schädigung der Mannesmann-Aktionäre durch den Übernahmekampf war völlig unvertretbar. Denn dass die Aktionäre reich und nicht arm gemacht wurden, sieht jeder", sagte der frühere Unternehmenschef.
Die Staatsanwaltschaft trennte dem "Spiegel"-Bericht zufolge in dem Verfahren einen Teil der Vorwürfe ab. Dabei gehe es um die Zahlung von rund 100 Millionen Mark [51 Millionen Euro] an mehr als 140 damalige Mannesmann-Manager. Mit Boni hätten die Manager laut Esser nach der Übernahme durch Vodafone zum Verbleib im Konzern bewegt werden sollen.
Die Staatsanwälte vermuteten, dass es sich bei diesen Zahlungen um Untreue handeln könnte. Der Vorgang sei jedoch so umfänglich, dass weitere Ermittlungen gegen die beiden Hauptverdächtigen, Esser und seinen Personalchef Dietmar Droste, nötig seien.
Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft nahm im März 2001 die Ermittlungen zu den Abfindungen auf - nach Medienberichten bis zu 250 Millionen Mark [125 Millionen Euro]. Esser erhielt damals neben der Abfindung von 28 Millionen Mark bei der Übernahme durch Vodafone weitere 32 Millionen Mark Anerkennungsprämie. Der Ex-Mannesmann-Chef hat den "goldenen Handschlag" nie bestritten und darauf verwiesen, dass derartige Abfindungen in der Geschäftwelt durchaus üblich seien.
