15.02.2003

ÄRGERNIS

Bildquelle: ORF.at

Symantec hielt Slammer-Warnung zurück

Eine aktuelle Pressemitteilung des Sicherheitsunternehmens Symantec sorgt derzeit für scharfe Kritik an dem Verhalten des Konzerns.

In der Mittelung prahlt Symantec damit, die Slammer-Bedrohung schon Stunden vor dem teilweisen Netzzusammenbruch erkannt zu haben.

Seine eigenen Kunden, Nutzer des Deepsight Threat Management Systems, hätte man auch sofort alarmiert, damit sie rechtzeitig entsprechende Maßnahmen ergreifen könnten. Die Öffentlichkeit wurde allerdings nicht informiert.

Mit dieser Vorgehensweise hat sich Symantec wohl keine Freunde gemacht. "Hier ging es um die Kenntnis einer beginnenden weltweiten Attacke auf die Internet-Infrastruktur", moniert beispielsweise Jeff Johnstone von der Security-Beratung Diamond Technical Group. "Diese Art Information wird immer mit anderen Mitgliedern der Security-Gemeinde geteilt."

Südkorea besonders betroffen

Symantec-Sprecher Yunsun Wee gab an, man habe am 24. Januar gegen neun Uhr abends Westküstenzeit an Deepsight-Abonnenten eine erste Slammer-Warnung ausgesandt. Der Rest der Internet-Welt erfuhr erst Stunden später davon.

"Ich bin schockiert, dass eine Firma von einem großen Wurm wusste und dies nicht mitgeteilt hat", beklagt sich auch der koreanische Telekom-Administrator Lee Ji-ho. "Mein Land wurde von Slammer hart getroffen. Wir hätten uns vorbereiten und das Schlimmste verhindern können, hätten wir rechtzeitig davon erfahren."

Die Telekom-Infrastruktur in Südkorea war durch Slammer fast 24 Stunden lang lahm gelegt worden. Hätte man von Slammer rechtzeitig gewusst, hätte schon eine simple Blockade des Ports 1434 gereicht, um Schäden zu verhindern.

Marketing-Gag oder Fehlverhalten?

Ein gewisses "Exklusivrecht" räumen Beobachter Symantec und seinen Wettbewerbern bei ihren Entdeckungen durchaus ein.

Im Fall einer Bedrohung wie Slammer halten dies aber praktisch alle für fehl am Platze [falls Symantecs Angaben über den Zeitpunkt der Slammer-Entdeckung wirklich zutreffen und nicht nur bloße Marketing-Prahlereien darstellen].

"Wenn ich Zeuge eines Verbrechens werde und mich weigere, die Notrufzentrale anzurufen, nur weil mir das Opfer dafür kein Geld bezahlt hat, dann bin ich der Beihilfe zur Tat schuldig - ganz abgesehen davon, dass ich ein wirklich miserabler Mitbürger bin", polemisiert Security-Researcher Robert Ferrell.

Aus seiner Sicht ist Symantec - wenn dessen Behauptungen zutreffen - an den Schäden durch Slammer ebenso schuldig wie der Autor des Wurms.