Neue Kredite dringend gebraucht
Der finanzielle Druck auf AOL Time Warner wird in der nächsten Zeit weiter steigen. Nach eigenen Angaben braucht der Medienkonzern weitere Kredite.
Zu den bisherigen rund 26 Milliarden USD sollen 2,1 Mrd. für den Bereich Kabel-TV, 800 Mio. für eine Beteiligung sowie 800 Mio. USD für das neue Bürogebäude dazu kommen.
Um die Schulden zu reduzieren wollte AOL eigentlich Teile seines Kabel-TV-Bereichs und andere Geschäftsfelder verkaufen, doch Analysten sehen die schwache Marktlage und den drohenden Irak-Krieg als Hindernis.
Sollte AOL seine Schulden nicht abbauen können, würde die Kreditwürdigkeit des Konzerns sinken und die Kreditkosten steigen und damit die Bewertungen fallen.
2002
Im letzten Jahr hat der weltgrößte Medienkonzern den größten
Unternehmensverlust der US-Geschichte verzeichnet. Knapp 100
Milliarden USD, etwa die Hälfte des Bruttoinlandsproduktes
Österreichs, wurden verheizt. Den Rekordverlust hat der Konzern vor
allem dem krisengebeutelten Internet-Geschäft zu verdanken - zu drei
Vierteln. Erst kürzlich haben Neuverhandlungen über die
außenstehenden Kredite stattgefunden um Auswirkungen des fallenden
Reinvermögens zu vermeiden. Der Plan sieht vor bis 2004 die Schulden
auf 20 Mrd. USD zu reduzieren, nötigenfalls sollen immer noch 7,9
Mrd. USD Kredite von Banken und anderen Quellen eine
Zahlungsunfähigkeit vermeiden helfen.
Die Börse straft AOL Time WarnerKein Breitband mit AOL
Die Krise im Internetgeschäft scheint aber kein Ende zu nehmen. Trotz der neuen Version seiner Zugangssoftware hat AOL im vierten Quartal des letzten Jahres 170.000 User in den USA verloren. Hatte der Release von Version 7.0 noch zu zwei Millionen mehr Abonnenten innerhalb einiger Monate geführt, wurde Version 8.0 sichtlich weniger enthusiastisch aufgenommen.
Damit steht der Konzern zwar immer noch an der Spitze der Onlineservices, doch ein Verfall zeichnet sich ab. Analysten meinen, dass das Onlineservice den Sprung von Dial-up zu Breitband nicht geschafft hat und man sich zulange auf Internetzugang über Kabelmodems konzentriert hat.
Eine Studie von Jupiter Research besagt, dass jeder dritte US-Bürger mit Dial-up-Zugang ein Konto bei AOL verwendet, aber nur jeder 30. mit Breitband. Und diese würden nur ihre email-Adressen nicht verlieren wollen und damit den Abschwung noch abfedern.
Kundenpflege statt Köder
Der Konzern selber glaubt nicht an einen anhaltenden Trend, für 2003 wird ein Wachstum an Kunden prognostiziert. AOL hat nach eigenen Angaben seinerseits damit aufgehört Kunden zu "sammeln" und will sich vielmehr auf jene Kunden konzentrieren, die tatsächlich ihre monatliche Gebühr zahlen anstatt neue Kunden mit einem 30-Tage-Gratis Angebot zu ködern.
Die Konsequenzen des Finanzdebakels
Letzte Woche wurde bekannt, dass Ted Turner als Vizevorsitzender von AOL Time Warner im Mai zurücktreten wird. Turner ist Gründer des Nachrichtensenders CNN.
Davor musste Steve Case als Verwaltungsratsvorsitzender zurücktreten - fällig im März. Die Aktionäre wollen ihn nun komplett aus dem Verwaltungsrat drängen. Einige wichtige Anteilseigner hätten angedeutet, bei der Hauptversammlung im Mai gegen Case stimmen zu wollen, schrieb die "Financial Times".
Künftig stärkster Mann im AOL-Time-Warner-Konglomerat ist Richard Parsons. Er besetzt künftig beide Leitungsposten - CEO und Verwaltungsratsvorsitzender.
