30.01.2003

MINUS 14 %

Bildquelle: AOL

Die Börse straft AOL Time Warner

Der weltgrößte Medienkonzern AOL Time Warner hat den größten Unternehmensverlust der US-Geschichte verzeichnet.

Knapp 100 Milliarden USD, etwa die Hälfte des Bruttoinlandsproduktes Österreichs, wurden allein im letzten Jahr verheizt.

Den Rekordverlust hat der Konzern vor allem dem krisengebeutelten Internet-Geschäft zu verdanken - zu drei Vierteln. Allein im letzten Quartal 2002 blieb unter dem Strich ein Minus von fast 45 Milliarden USD.

Der weltgrößte Medienkonzern AOL Time Warner entstand Anfang 2001 aus der Fusion des führenden Online-Dienstes AOL mit Time Warner.

Faktisch übernahm America Online [AOL] auf der auslaufenden Woge der New-Economy-Euphorie den alten Medienriesen Time Warner für 100 Milliarden USD - das entspricht derzeit dem Jahresverlust des gesamten Unternehmens.

AOL hat seit dem Platzen der Börsenblase im Frühjahr 2000 einen Großteil seines Werts verloren; die Aktie, die noch Ende 1999 bei über 90 USD gestanden war, notiert derzeit unter zwölf USD. Allein heute hat die Aktie 15 Prozent ihres Wertes verloren.

AOL wurde mit sinkenden Werbeeinnahmen und gewaltigen Abschreibungen zum Milliardenloch. Die Zweifel an der Fusion werden immer größer.

Turner geht bis Mai

Der Online-Dienst AOL zählt insgesamt 35,2 Millionen Kunden - davon 26,5 Millionen in den USA. Die Probleme bei der Internet-Sparte will die neue Führung um Firmenchef Richard Parsons mit einem verstärkten Multimedia-Angebot angehen - schließlich werden im Konzern genug Inhalte produziert. Synergien zwischen den einzelnen Bereichen bei der Vermarktung sollen sparen helfen.

Multimilliardär Turner will nach Angaben von Konzernchef Parsons den Vizechef-Sessel nun auf der Hauptversammlung im Mai räumen. Der 64-Jährige begründete seine Entscheidung zum Ausstieg damit, dass er mehr Zeit für sein wohltätiges Engagement haben wolle.

Auch wolle er sich mehreren Geschäftsaktivitäten mit "sozial verantwortlichem" Charakter widmen. Die Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen, betonte Turner in einem Brief an Parsons. Der CNN-Gründer hatte aus seinen Kabelprogrammen ein Medienimperium aufgebaut, dieses aber 1996 an den Time-Warner-Konzern verkauft.

Turners überraschender Schritt folgt knapp drei Wochen nach der Ankündigung seines Gegenspielers Case, ebenfalls im Mai von seiner Position als Verwaltungsratsvorsitzender von AOL Time Warner zurückzutreten.