"Operation 2003" bei Siemens
2003 ist für den Siemens-Konzern das Jahr der Wahrheit. Vor gut zwei Jahren hatte Konzern-Chef Heinrich von Pierer den 13 Geschäftsbereichen in einer "Operation 2003" ehrgeizige Renditevorgaben gesetzt, die eigentlich im laufenden Geschäftsjahr erreicht werden sollen.
Doch vor allem die schwache Konjunktur macht dem Konzernlenker einen Strich durch die Rechnung.
Bei der Vorlage der Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2002/03 [bis 30. September] auf der Hauptversammlung am kommenden Donnerstag wird sich nach Einschätzung von Experten zeigen, dass einige Bereiche noch meilenweit von den ursprünglichen Vorgaben entfernt sind.
Zwar sagt Pierer nach Angaben der Mitarbeiterzeitschrift "SiemensWelt": "Selbstverständlich arbeiten wir weiter an den Ergebniszielen für 2003." Doch er räumte bereits ein, dass einige Bereiche die ursprünglichen Ziele nicht erreichen können. Pierer sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung": "Ich glaube, dass die Aktionäre mit unseren Erfolgen zufrieden sein werden." Gerade das Handy-Geschäft sei im Weihnachtsquartal sehr gut gelaufen.
2001//02: Siemens Österreich steigert GewinnAufschub für Netzwerker
Im breit aufgestellten Siemens-Konzern sind die Bereiche ganz unterschiedlich fit für die "Operation 2003". Der Mobilfunksparte ICM und der gebeutelten Netzwerk-Abteilung ICN gewährte Pierer bereits vor einiger Zeit ein zusätzliches Jahr zum Erreichen der geforderten Umsatzrendite von acht bis elf Prozent vor Steuern und Zinsen.
Vor allem für ICN wäre dies angesichts der anhaltenden Branchenkrise derzeit illusorisch. Im Geschäftsjahr 2001/02 erzielte der Bereich einen operativen Verlust von fast 700 Mio. Euro.
Auch die Industriellen Dienstleistungen und die Automatisierungssparte Dematic erhielten inzwischen einen Aufschub. VDO Automotive, die Gebäudetechnik und die Energieübertragung sollen laut Pierer "den Zielen zumindest sehr nahe kommen".
Während die IT-Bereiche schwächeln, sind es gerade die traditionellen Geschäftsgebiete, die Siemens auch im neuen Geschäftsjahr stabilisieren. Auch wenn der Sonderboom in den USA spürbar abflaut, rechnet beispielsweise die Investmentbank Merrill Lynch damit, dass der Bereich Energieerzeugung mit einer operativen Marge von 12,5 Prozent die Vorgabe [zehn bis 13 Prozent] im laufenden Geschäftsjahr erreichen wird. Die Medizintechnik werde mit 13,5 Prozent das Ziel der "Operation 2003" sogar leicht übertreffen.
