Psychologen geben Webdesign-Tipps
Rund vier Milliarden Dokumente stehen derzeit im Internet bereit, und täglich werden es etwa sieben Millionen mehr.
Doch nicht alle Webseiten taugen viel - sie bauen sich oft viel zu langsam auf oder sind zu unübersichtlich gestaltet.
Psychologen der Uni Chemnitz gehen seit vier Jahren der Frage nach, wie Internetangebote aufgebaut sein müssen, damit der Nutzer gut und erfolgreich damit umgehen kann. Dabei haben sie nun eine erste Liste von Kriterien für eine benutzerfreundliche Gestaltung von Internetseiten zusammengestellt.
Blickbewegungen per Infrarot verfolgt
An der Chemnitzer Universität wurden bislang mehr als 300
Internetnutzer im Labor auf die Probe gestellt. Dank Infrarottechnik
ermittelten die Psychologen die Blickbewegungen der Probanden,
während sie Webseiten betrachten und analysieren zudem die Lesezeit,
die Navigation und ihre Erinnerungsleistungen.
Details zur Usability-Forschung an der Uni ChemnitzDie zehn goldenen Webdesign-Regeln
Vermeide lange Seiten mit Scroll-Balken.
Verwende kurze Textsegmente mit aussagekräftiger Überschrift.
Verlinke nur Internetseiten mit engen inhaltlichen Bezügen zueinander.
Verwende im Text so wenig Links wie möglich.
Vermeide lange Ladezeiten.
Präsentiere auf der ersten Seite eine Übersicht über die Struktur des Hypertextsystems.
Verwende ein Navigations-System, das dem Nutzer Auskunft gibt, wo er sich gerade im Text befindet.
Gib zu den bewältigten Aufgaben ein spezifisches Feedback.
Verwende hierarchische und keine netzwerkartigen Verlinkungsstrukturen.
Gib dem Nutzer die Möglichkeit, sich an den Webadministrator zu wenden.
Kids wollen einfache Struktur, aber Multimedia und
Animationen
Usability-Experte Jakob Nielsen hat das Surfverhalten von Kindern
unter die Lupe genommen und dabei starke Mängel bei der Gestaltung
von Kinderseiten entdeckt. Kids wollen zwar eine durchdachte und
einfache Navigation, freuen sich aber über Animationen und
Soundeffekte. Bei der Navigation helfen geografische Metaphern wie
Dörfer, Häuser, 3-D-Pläne und Zimmer.
Kinder wollen bunte WebsitesDynamische Anpassung an Userbedürfnisse
Die bisherigen Untersuchungen ergaben, dass linear aufgebaute Texte im Internet sinnvoller als netzwerkartige Hypertext-Strukturen erscheinen, wenn beim Lesen der Seiten eher unspezifische Informationen gesammelt werden.
Steht allerdings die gezielte Informations-Suche im Vordergrund, sind wiederum die Hypertexte, also die elektronische Verlinkung von Texten, im Vorteil: Der Suchende klickt sich schneller und mit geringerem Orientierungsaufwand zu der gesuchten Antwort durch.
In den Laborversuchen zeigte sich auch, dass die Probanden weniger Orientierungsprobleme hatten, wenn beim lesenden Erschließen neuer Informationen ein Textelement klassisch auf das andere folgt ¿ so wie bei einem Buch oder einer Zeitung.
Die perfekte Navigation haben auch die Forscher der Uni Chemnitz noch nicht gefunden. "Wir wissen nur, dass der Nutzer viel stärker bei der Aufbereitung von Informationen im Internet berücksichtigt werden muss", erklärt der Projektleiter Josef Krems.
"Optimal wäre, wenn diese individuelle Anpassung eines Tages online und dynamisch realisiert werden könnte."
Die Tipps von Usability-Guru Nielsen
Jakob Nielsen ist der wohl der Usability-Guru des Internets. Er
untersucht seit Jahren den Nutzwert von Webseiten und veröffentlicht
seine Erkenntnisse.
10 Richtlinien für benutzerfreundliche Homepages
Die 10 schlimmsten Webdesign-Sünden
