13.11.2002

VOR WAHL

Bildquelle: ORF/Kleinwalsertal.at

Vorwahlstreit im Kleinwalsertal

Wie berichtet, sollen in den österreichischen Zollausschlussgebieten Kleinwalsertal und Jungholz die seit jeher bestehenden deutschen Vorwahlen abgeschalten werden. Die Tourismusgebiete wären dann nur noch unter österreichischen Vorwahlen erreichbar.

Die Einwohner und die Tourismusbetriebe sind darüber gar nicht glücklich. Insbesondere werden auch die mangelnde Information und die "überfallsartige" Durchführung der Maßnahme kritisiert.

Die Proteste haben vorerst eine Verschiebung der für 1. September 2002 geplanten Maßnahme auf Ende Juni 2003 erwirkt.

Deutsche Telekom nimmt Stellung

Die Deutsche Telekom hat nun nach einer Anfrage der futureZone eine ausführliche Stellungnahme übermittelt.

Darin wird ausgeführt, dass der in den 50er Jahren zwischen dem deutschen Ministerium und der österreichischen Post- und Telegraphenverwaltung abgeschlossene Vertrag durch den Beitritt Österreichs zur EU außer Kraft getreten sei.

Nun müsse die Deutsche Telekom für Gespräche in die beiden Gebieten die für Auslandstelefonate vereinbarten Entgelte an die Telekom Austria entrichten.

Zitat von der Website jungholz.com

Die deutsche Vorwahl hat für die Betroffenen offenbar eine große Bedeutung.

"Tourismusverband Jungholz",

"Telefon aus Europa: 0 83 65 / 81 20

Betroffene sind Kunden der Telekom Austria

Zur Kritik bezüglich der mangelnden Information der Einwohner über die Abschaltung der Vorwahl meint die Deutsche Telekom:

"Bitte beachten Sie, dass die Anschlussinhaber im Kleinwalsertal nicht Kunden der Deutschen Telekom sind. Da keine direkte Kundenbeziehung besteht, entfällt auch die Möglichkeit einer direkten Information beispielsweise durch einen Rechnungsandruck."

Die aus dem Kleinwalsertal genannten drohenden Schäden von zehn Millionen Euro durch erforderliche Prospektneudrucke und Gästerückgänge hielt der Sprecher der Deutschen Telekom, Walter Genz, im Telefonat mit der futureZone für übertrieben.

Die Prospekte würden sowieso mehrmals im Jahr neu aufgelegt, dabei könnten problemlos die geänderten Rufnummern berücksichtigt werden.

Geschichtliches nach Auskunft der DT, Teil 1

"Ein Verwaltungsabkommen zwischen den Rechtsvorgängern der Deutschen Telekom [dem damaligen Bundesministerium für Post und Telekommunikation] sowie der Telekom Austria aus dem Jahre 1952 regelte die Anschaltung des Kleinwalsertals und Jungholz/Tirol an das Netz der damaligen Deutschen Bundespost. Das Verwaltungsabkommen sollte nur so lange gelten, wie die Zollausschlussgebiete zum Zollinland Deutschlands gehören. Mit dem Beitritt Österreichs zur Europäischen Union wurden diese Zollausschlussgebiete Teil des einheitlichen Zollgebiets der Europäischen Gemeinschaft. Hierdurch trat das Verwaltungsabkommen automatisch außer Kraft."

In den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts war die Erschließung von der österreichischen Seite technisch nicht machbar, weshalb das Kleinwalsertal und Jungholz von der Deutschen Post erstmalig mit Telefonleitung versorgt wurden.

Ähnliche Fragen wie an die Deutsche Telekom hat die futureZone am Dienstag kurz vorher auch der Telekom Austria übermittelt.

Bislang ist die Antwort noch nicht eingetroffen.

Geschichtliches nach Auskunft der DT, Teil 2

"Zu Gunsten einer verbesserten Kommunikation hielten die Unternehmen den Sonderstatus zunächst weiterhin aufrecht. Seit dem 01.11.01 werden die von Kleinwalsertal und Jungholz abgehenden Gespräche nach Deutschland als Auslandsverbindungen abgerechnet. Vor diesem Hintergrund bestand auch für die Deutsche Telekom kein Anlass mehr, an der Sondertarifierung für die ehemaligen Zollausschlussgebiete festzuhalten, zumal sie für die Terminierung der Verbindungen in den betroffenen Gebieten die generell für grenzüberschreitende Gespräche nach Österreich vereinbarten Entgelte an die Telekom Austria zahlen muss."