EU-Bemühungen um Bilanztransparenz
Um das Anlegervertrauen in die Kontrolle von Unternehmen zu erhöhen, haben hochrangige EU-Experten für mehr Transparenz und persönliche Verantwortung der Unternehmensvorstände geworben.
Ohne umfangreiche Vorschläge für neue EU-Regelungen zu präsentieren, schlug eine Gruppe von Rechtsexperten unter dem Niederländer Jaap Winter am Montag in Brüssel vor, die Bezahlung von Vorstandsmitgliedern offen zu legen, die Rolle unabhängiger Aufsichtsratsmitglieder zu stärken und Vorstände kollektiv für wichtige Veröffentlichungen ihrer Unternehmen verantwortlich zu machen.
Die EU-Kommission begrüßte den Bericht. Bilanzskandale wie jener um den US-Energiehändler Enron hätten gezeigt, dass ein Vertrauensschwund bei den Investoren negative Folgen für die Finanzmärkte habe, erklärte Binnenmarktkommissar Frits Bolkestein.
EU-einheitliche Regeln für die Unternehmensführung lehnten die Experten wegen der großen Unterschiede zwischen den Gesetzen der 15 EU-Staaten ab. Vielmehr solle jedes Land seinen eigenen Kodex entwickeln und diesen auf die Regeln in anderen EU-Staaten abstimmen.
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Winter soll den Bericht am Dienstag den EU-Finanzministern vorstellen. Darin wird als einer der dringendsten Punkte vorgeschlagen, den Aktionären die Entscheidung über Aktienoptionspläne der Vorstände zu überlassen und deren Bezahlung auf Hauptversammlungen zu debattieren.
Die Bilanzprüfer sollten vom Aufsichtsrat vorgeschlagen werden, der zum größten Teil aus unabhängigen Mitgliedern bestehen solle. In diesem Punkt setzte sich die Winter-Gruppe von Regelungen in den USA ab, die nur unabhängige Mitglieder in Aufsichtsräten zulassen, und ermöglichen die Entsendung von Arbeitnehmervertretern wie in Deutschland.
Vorstände sollten kollektiv für Jahresabschlüsse und andere wichtige Mitteilungen der Unternehmen haften, schlugen die Experten vor. Dies solle rechtlich festgeschrieben werden.
Zudem sehen die Vorschläge Einschränkungen für pyramidenartig organisierte Holding-Gesellschaften vor. Unternehmen, die vor allem andere Unternehmen besitzen, sollten mittelfristig nicht mehr an den Börsen gehandelt werden, empfehlen die Experten. Dies beträfe vor allem Italien und Frankreich. In Italien etwa sicherte sich der Reifenhersteller Pirelli über ein kompliziertes Holdingsystem die Kontrolle über den Telekom-Riesen Telecom Italia.
