US-Chefs müssen Bilanzen beglaubigen
Manager in Handschellen, Bilanzbetrug mit Milliardensummen, Pleiten von Weltmarktführern - die jüngsten Skandale in den USA haben das Vertrauen der Anleger zutiefst erschüttert.
Mit einer Aufräumaktion soll es nun zurückgewonnen werden: Die Chefs der größten US-Konzerne haben noch bis Mittwoch Zeit, mit ihrer Unterschrift persönlich die Rechtmäßigkeit ihrer Firmenbücher zu attestieren. Dann läuft eine entsprechende Frist der US-Börsenaufsicht SEC ab.
Für die Richtigkeit der Angaben haften dann die Manager persönlich, bei Verstößen drohen Geldbußen oder sogar Gefängnis.
Gesetz gegen Finanzmanipulationen
Erlassen wurde die Anweisung als Reaktion auf die Falschbuchungen
in Milliardenhöhe beim Telefonriesen WorldCom. Finanzminister Paul
O'Neill hatte getobt: Nie wieder wolle er von einem Vorstand den
Satz hören: "Davon wusste ich nichts."
25 Jahre Haft für WertpapierbetrugExperten zweifeln an Wirksamkeit
Analysten zeigten sich vorsichtig zur neuen Regelung der SEC. Einige äußerten die Hoffnung, dass damit die schwarzen Schafe identifiziert werden und das Vertrauen der Anleger wiederhergestellt wird. Andere Experten äußerten hingegen Zweifel an der Wirksamkeit der neuen Vorgabe.
"Es hat ja nun schon immer Gesetze gegeben, die Bilanzbetrug verbieten", sagte William Fleckenstein von Fleckenstein Capital Management. "Dies konnte die Leute niemals davon abhalten, es dennoch zu tun", fügte er hinzu.
Andere Analysten merkten an, dass selbst die allgemeinen Bilanzierungsregeln US-GAAP, nach denen US-Unternehmen in der Regel ihre Bücher aufstellen, einen gewissen Interpretationsspielraum zulassen.
Erst 130 haben Unterlagen hinterlegt
Die US-Firmen haben aber offenbar alle Mühe, die Zahlen zuammenzubekommen. Viele haben von der SEC bereits die Frist verlängern lassen. Einige haben kleinlaut eingeräumt, ihre Bilanzen korrigieren zu müssen.
Nur rund 130 haben bislang ihre Unterlagen hinterlegt.
Die SEC veröffentlicht auf ihrer Homepage eine Liste der Unternehmen, die ihre Erklärung abgegeben haben.
Die Liste
