03.11.2002

KARTELLPROZESS

Bildquelle: orf on

Ende der Lähmung oder neue Monopole

Nach dem vorläufigen Schlusspunkt im US-Kartellprozess gegen Microsoft, sind die Reaktionen naturgemäß gespalten:

Der Konzern und seine Partner sehen Microsoft jetzt unter strenger Beobachtung aber gleichzeitig soll auch das Ende der "Lähmung" durch den laufenden Prozess der gesamten Software-Industrie neue Impulse geben.

Kritiker und Konkurrenten sehen dagegen einen endgültigen "Freifahrtschein" für den Konzern, wobei der Tenor dahin geht, dass Microsoft sein Monopol auf dem Desktop dazu nützen wird, es auf andere Bereich auszuweiten.

"Dunkle Wolke über der Industrie"

"Das Urteil bedeutet schon einen erheblichen Einschnitt in unser Geschäftsgebaren," kommentierte Thomas Baumgärtner, Sprecher von Microsoft Deutschland, das Urteil:

"Wir müssen auch die Schnittstellen zur Verwendung unserer APIs weitgehend offen legen, wo wir dann nicht sicher sein können, ob diese nicht missbräuchlich genutzt werden."

Jonathan Zuck, Vizepräsident des Microsoft-nahen Interessenverbandes Association for Competitive Technology sieht zwar in diesem Sinne auch eine "fundamentale Änderung im Geschäftsgebahren" Microsofts, gleichzeitig weist er aber auch darauf hin, dass das Ende des Prozesses für die gesamte Software-Branche einen positiven Impuls darstellt:

"Dieser Fall hing jahrelang wie eine dunkle Wolke über der Industrie, die Investitionen und die technologische Entwicklung verlangsamt hat," meint Zuck.

Kampf ums beste Zitat

Die Kritiker des Konzerns sehen den von Zuck beschriebenen "Klimawechsel" für die Branche natürlich ganz anders:

"Das [Urteil] bedeutet, dass es keinen Weg gibt, Microsofts Festung einzunehmen," kommentierte Roger Kay, PC-Analayst bei International Data Corp. "Microsoft gehört der Desktop und demnächst könnte ihnen auch das Wohnzimmer gehören."

Ken Wasch, Präsident der Software Information Industry Association, geht noch einen Schritt weiter und meint, dass "zu erwarten ist, dass MS die gleichen Taktiken, die die Dominanz auf dem Desktop gebracht haben, auch in anderen Bereichen anwenden wird". Dabei werden immer wieder die Bereiche Musik-Distribution und der Fernseher als Zentrum des digitalen Wohnzimmers als nächste Ziele des Konzerns genannt.

Weitere Prozesse

Während das allgemein als wichtigster Prozess eingestufte US-Kartellverfahren ein [vorläufiges] Ende gefunden hat, sind weitere Verfahren für Microsoft aber noch nicht ausgestanden:

Sun hat den Konzern im März erneut verklagt und verlangt dabei eine Ausgleichszahlung von mehr als einer Milliarde USD für den Ausschluss von Sun-Produkten aus Windows.

Die Klage beruht teilweise auf Feststellungen aus dem US-Kartellprozess und laut Beobachtern wie Michael Silver, Windows-Analyst bei Gartner, könnten nach diesem Muster noch eine Reihe von weiteren Zivilprozessen auf MS zukommen.